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Hallo, ich bin Filou, der Neue!

 

Servus miteinander! Ich bin`s, der Filou. Angeblich bin ich zwei Jahre alt. Zumindest behaupten die vom Tierschutz das. Ich bin vor ungefähr einem halben Jahr von Rumänien nach Österreich gekommen. Das war vielleicht was, sag ich euch. Aber vielleicht sollte von Anfang an erzählen.

Ich erinnere mich nur ungern an die Zeit, als ich plötzlich von einem Moment auf den anderen ganz alleine auf mich gestellt war. Furchtbar hungrig und voller Angst. Die meisten Menschen verjagten mich, wenn ich sie um Essen anbettelte. Wenn ich dann doch einmal Glück hatte, musste ich höllisch aufpassen, dass es mir nicht von einem anderen Hund weggefuttert wurde. Die waren oft sehr gemein zu mir. Das geringste Übel war von ihnen angeknurrt zu werden. Ganz schlimm waren die, die mich unbedingt verhauen oder beißen wollten. Vor den meisten riesigen Hunden fürchte ich mich heute noch. Auch vor den wilden Zeitgenossen. So lieb können die gar net schaun, denen trau ich nicht über den Weg.

Na ja, irgendwann landete ich in einem sogenannten Shelter. Das ist so ein eingezäuntes Gelände wo es viele Katzen und Hunde gibt. Ich war bei den Hunden untergebracht. Da gab es für jeden von uns eine kleine Holzhütte, aber kein Fleckchen Gras oder so. Ich glaube, die haben das auch gar nicht gewollt, weil auf Beton alles besser zu reinigen ist. Zumindest hab ich das von der alten Cindy, die auch hier lebte, erzählt bekommen. Endlich gab es regelmäßig zu essen. Aber auch da musste man hier blitzschnell sein, es herrschte ständig Futterneid und es gab oft Streit um Futterreste.

Für mich total überraschend schnappte mich einer der Wärter eines Tages und brachte mich in ein Zimmer mit einem silbernen Tisch und vielen merkwürdigen Dingen. Ich wurde untersucht, gepiekst – die Menschen nennen dies impfen - und kastriert. Keine Ahnung, was das wieder ist. Ich weiß nur, dass ich plötzlich einschlief und beim Aufwachen eine Plastikschüssel um den Hals hatte. In diesen Tagen lagen hier viele Hunde mit solchen Plastikdingern um den Hals in ihren Hütten. Wenn ich es richtig mitbekommen hab, sollte es uns daran hindern an der Operationsnarbe zu lecken. Ab und zu holten sie mich um nachzuschauen, ob meine Wunde okay ist. Zu meinem Glück wurde nach einiger Zeit diese komische Schüssel, sie nannten sie Halskrause, von meinen Hals entfernt. Ich bekam wieder normal zu essen und zu trinken.

Mit vielen anderen Hunden wurde ich in ein großes Auto gesetzt. Jeder von uns in einen eigenen Käfig. Manchen von uns wurde vor Aufregung schlecht, andere bellten aus lauter Angst. Wieder andere ringelten sich still und zitternd in einer Ecke des Käfigs zusammen und beteten, dass alles gut werden würde.

Ja, und dann ging`s los. Wir fuhren und fuhren und fuhren. Es gab zu essen und zu trinken und unsere Käfige wurde regelmäßig gereinigt. Ich fragte mich schon, ob dieses Auto meine neue Hundehütte wird. Mein Käfignachbar erzählte mir, dass er so etwas von den Menschen kennt. Die wohnen in ihren großen Autos und fahren herum und dort, wo es ihnen gefällt bleiben sie stehen. Bis sie halt wieder weiterfahren. Na Servas, dachte ich. Jetzt werde ich so etwas wie ein fahrender Hund. Das Einzige was mit fehlte waren Spaziergänge. Was mir auf gar keinen Fall abging, war der Kampf ums Futter. Hier in diesem Käfig waren sowohl ich als auch mein Futter in Sicherheit. Das beruhigte mich dann wieder ein wenig.

Manchmal hielt das Auto und einer von uns musste aussteigen. Danach ging die Fahrt aber sofort wieder weiter. Das war mehr als merkwürdig. Ob diese Hunde wieder in der Fremde ausgesetzt wurden, so wie früher einige von uns? Waren wir den Menschen im Shelter zu lästig und wir mussten deswegen weg? Weil sie sich derart aufregten, wurde einigen der mitfahrenden Hunde sofort wieder schlecht. Die Ängstlicheren unter uns rollten sich abermals in einer Ecke zusammen und beteten zu Anubis, dem ägyptischen Hundegott. Ja, stellt euch vor, den gibt es tatsächlich. Das hat mir Ares, einer der Hunde erzählt. Sein Herrchen war zu Lebzeiten Geschichtslehrer – fragt mich bitte nicht, was das ist – und hat ihn von den Göttern erzählt und dem Brauch des Betens erzählt. Ares selbst wurde nach dem griechischen Gott des Krieges benannt. Anubis jedoch ist der einzige Gott, der tatsächlich wie ein richtiger Hund aussieht. Zumindest sagt das der Ares. Und deswegen betet er zu ihm. Und ich mittlerweile auch.

Beim nächsten Halt war ich an der Reihe. Ich wurde aus dem Käfig geholt und etwas, was die Männer im Auto Brustgeschirr und Leine nannten, wurde mir umgelegt. Dann wurde ich hinausgetragen und einem Mann in den Arm gelegt. Neben ihm stand eine Frau, seine Mama wie sich herausstellte. Die beiden haben ganz leise in einer mir unverständlichen Sprache auf mich eingeredet. Misstrauisch beäugte ich sie. Und dann erfuhr ich von unserem Fahrer, ich wäre endlich in Österreich gelandet und ab sofort hier zu Hause!

Tja, und da lebe ich nun. Ich habe einen kleinen Garten, ein riesiges Sofa, ein bequemes Bett, viele Körbchen und eine Menge Spielzeug. Okay, das meiste Spielzeug gehört den Miezekatzen, die ebenfalls hier wohnen. Aber ich darf damit spielen. Sehr schwierig war für mich die Sprache meiner neuen Menschen zu verstehen. Anfangs wusste ich gar nicht, was die von mir wollen. Aber mittlerweile verstehe ich sie ganz gut. Sie sagen andauernd, wie süß ich bin. Ehrlich gesagt nutze ich das ein bisserl aus. Was ich bis heute nicht verstehe: Warum wollen die Miezekatzen nicht mit mir spielen? Ich darf ihnen auch nicht nachlaufen, sondern muss ein braver Bub sein. Das sagt die Oma immer zu mir. Die Oma ist die Mama von meinem neuen Menschen, den ich Papa nenne. Die Oma hat total viele Namen für mich. Ich heiße nicht nur Filou, sondern auch Filutschi, Butzibär, süßer Bub, Butzi, kleiner Hundebub und noch einiges mehr. Nur, wenn es ernst wird, sagt die Oma Filou oder Filutschi. Da hör ich dann schnell auf Blödsinn zu machen. Na ja, meistens halt *zwinker*.

Stellt euch vor, ich hab hier am Anfang ganz doll Bauchweh und Durchfall gekriegt. Und schlecht war mir auch manchmal. Das war nicht schön. Die Oma ist mit mir sofort zur Frau Doktor gefahren. Ich kriegte Medikamente und musste eine ganz strenge Diät einhalten. Wochenlang gab es nix anderes als Putenfleisch zu essen, sogar Putenleckerlies wurden extra für mich von der Oma eingekauft. Da gibt es echt nix zu meckern hier. Die schauen auf mich *freu*.

Und wenn ich ganz lieb dreinschaue, busseln die mich von oben bis unten ab. Das ist lustig. Manchmal kitzelt es. Beim Spazierengehen fürcht ich mich noch immer vor den großen Hunden. Was ich da alles in den Straßen in Rumänien und im Shelter erlebt hab vergesse ich halt nicht so schnell. Aber, wenn ich mich fürchte, stell ich mich hinter die Oma. Die beschützt mich. Ich getrau mich sogar schon grantig zu knurren und zu bellen, wenn mir einer blöd kommt. Papa und Oma würden es nie zulassen, dass mich da einer ins Wadl zwickt oder so. Die passen total gut auf mich auf. Das gibt mir Kraft und Mut. Papa sagt, ich bin schon viel selbstsicherer als am Anfang. Keine Ahnung, was er da genau meint, aber es scheint etwas Gutes zu sein.

Ansonsten bin ich ein ganz ein braver, sagt die Oma immer. Ich mag Kinder, laufe mittlerweile keiner Miezekatze mehr nach und bin immer freundlich. Sogar beim Raufen mit der Oma oder mit dem Papa. Das liebe ich besonders. Da fetzen wir uns so richtig.

Anfangs befürchtete ich, dass die mich wieder zurückschicken, wenn ich nicht brav bin. Jetzt nach einem halben Jahr bin ich mir aber absolut sicher, dass das niemals passieren wird. Dazu haben mich Papa und Oma viel zu lieb. Ab und zu getraue ich mich sogar aufzumucken. Besonders bei Oma. Wenn ich woanders hingehen will als sie gelingt mir das super. Sie grinst dann immer und nennt mich ihren süßen Lauser. Der Papa erzählt ihr dann immer was von Erziehung, aber ich glaub, der meint das auch nicht so ernst. Weil, wirklich schlimm, das war ich ja noch nie. Ich mach nix kaputt, stelle nix an und höre auf meine Menschen. Zumindest die meiste Zeit *grins*.

Oma sagt, jetzt kommt bald das Christkind. Keine Ahnung, was das wieder ist. Angeblich bringt es einen geschmückten Weihnachtsbaum und viele Geschenke. Als ob ich es nicht schon fein genug hätte. Aber so sind sie, mein Papa und meine Oma: Sie setzten immer noch eines drauf.

 

​​Mehr zu Filou wird es 2027 in seinem Buch geben!

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©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com

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