• roswithazatlokal

31.05.2020



Liebes Tagebuch,

Ich sag dir, die Hanni ist so eine verwöhnte Tussi, unpackbar ist das. Manchmal könnte ich sie zerwuzeln. Möchte sie an die Wand picken. Möchte ihr einmal zeigen, wo der Bartl den Most holt.

Die Ausdrücke sind gut, oder? Ecosia und Filme *grins*.


Ach so, ich bin es die Nanni. Die Hanni sitzt mit Frauli vor dem Fernseher und sie schaun sich einen Film an. Ich glaube, dieses Mal ist es etwas mit britischem Humor. „Sterben für Anfänger“ oder so. Muss lustig sein, weil sie die ganze Zeit kichern. Na und da hab ich mir gedacht, dann komm ich wenigstens auch einmal zum Laptop. Und da bin ich, die Nanni.


Heute regnet es schon den ganzen Tag und es ist ein bisserl huschi draußen. Aber mir macht das ja nichts aus. Wenn ich tropfnass nach Hause komme, streichelt mich Frauli trocken und wärmt mich. Das ist schön. Wenn dann der Ofen noch wohlig-warm vor sich hin wummert, ist meine Welt wieder in Ordnung. Was eine normale Katze ist, hält die jedes Wetter aus. Aber natürlich nicht, wenn du Fräulein „Rühr-mich-nicht-an“ heißt. Du kannst dir denken, wen ich meine. Unsere zuckersüße, ach so empfindsame, Hanni natürlich.

„Hanni, komm doch ein bisserl raus auf die Terrasse. Da wirst du eh nicht nass. Es ist herrlich in der frischen Luft“, hab ich versucht sie zu locken. Weißt du, was die mir geantwortet hat? „Damit ich mich verkühl? Nein danke, da bleib ich lieber herinnen.“

Lass dir das einmal auf der Zunge zergehen, liebes Tagebuch. Sie hat Angst, sie könnte sich verkühlen. Wir reden hier von einer Katze, bitteschön. Einer Katze mit Fell. Einer Katze, die jagen geht und herumstromert. Normalerweise.

Ich hab versucht, ihr das Draußensein schmackhaft zu machen. „Hanni“, hab ich gesagt. „Hanni, die Luft ist heute total gut. Und da kommen ganz viele Tiere raus, die du sonst vielleicht niemals siehst und hörst.“ Und was sagt Fräulein Mimose? „Nein, danke, lass nur. Ich bleib im Warmen, Trockenen.“ Und dann ist sie ganz theatralisch zum Fenster gegangen, hat wehmütig hinausgeschaut und geseufzt: „Ach du meine Güte, so ein grausliches Wetter aber auch.“

Ich musste gehen. Mich wortlos umdrehen und einfach weggehen. Was soll man da auch dazu sagen, liebes Tagebuch? Außer vielleicht: „Bist du deppert? Du bist eine Miezekatze verdammt noch einmal.“ Aber nein, ich hab mich zusammengerissen, meinen Groll hinuntergeschluckt und nix gesagt. Am liebsten hätt ich ihr im Vorbeigehen aber noch eine mitgegeben. Ehrlich. So was ist doch rufschädigend. Da glauben die Leute ja, wir Katzen sind alle Pussis.


Natürlich haben wir auch nicht den selben Filmgeschmack. Bei mir darf`s ruhig ein bisserl deftiger zugehen. Das Fräulein „Ach-wie-bin-ich fein“ schaut am liebsten französische Komödien. So mit Herz, Schmerz und Trallala. Letztens hat sie sogar geweint. „Es ist so berührend, findest du nicht auch, Nanni?“ Ich war so baff, dass ich nur ein „Selbstverständlich“ stammeln konnte. Die ist eindeutig zu viel mit Frauli zusammen. Ich mein, ich mag es ja auch, mit Frauli zu schmusen und zu knutschen, aber alles hat seine Grenzen! Man hat doch noch so etwas wie seinen Katzenstolz.


Hast du übrigens gewußt, die Hanni beobachtet mit Vorliebe Schmetterlinge im Garten. Aber nicht, um sie zu fangen und zu fressen. Nein, sondern „weil sie so hübsch sind“. Und die Vögel singen „einfach wunderbar“. Da könnte sie stundenlang zuhören. Ich ja auch. Hähä! Du verstehst, was ich meine *zwinker*. Hanni denkt nicht einmal daran, da kannst du drauf wetten. Sie genießt. Genau das waren ihre Worte. „Weißt du Nanni, ich genieße unseren Garten schon sehr. Diese Düfte und die vielen Blumen. Ist das nicht herrlich?“ Ob die mir das zu Fleiß macht? Das geschwollene Reden meine ich. Du solltest sie einmal dabei sehen. Meistens hat sie eine Pfote vor dem Gesicht, besieht sich ihre Krallen und gibt ganz nebenbei solche Sätze von sich. Ich glaub, diese Geste hat sie aus einem Film. Das macht die etra. Weil als Katze lernst du das nicht. Die will mich ärgern, mich auf die Palme bringen. Mich in den Wahnsinn treiben. Und wenn sie so weitermacht, gelingt ihr das auch noch.


Und ständig unterhält die sich mit Frauli. Den ganzen Tag hat die ihr Plappermaul offen. Und was das Beste ist: Frauli antwortet! Kannst du das glauben? Keine Ahnung, wie die Hanni das macht.


Ich hätte vielleicht sagen sollen: „Hanni, du wirst sehen, sobald du da draußen bist, wird alles leichter. Deine inneren Barrieren lösen und deine Sinne entfalten sich. Du wirst umgeben sein von Schönheit und purer Reinheit.“ Das hab ich letztens im Fernsehen gehört. Selbtverständlich nicht freiwillig. Frauli und Hanni haben sich durch den Film geschluchzt und ich wollte nicht mehr fortgehen. Also musste ich mir das ganze Gedussel anhören.


Mayor Payne hätte gesagt: „He, du Trampel! Schwing deinen verwöhnten Arsch gefälligst hinaus und benimm dich wie eine Katze!“ Kennst du Mayor Payne? Der ist lustig. Der sagt so Sachen zu seinen Soldaten. Die stehen dann alle stramm und stammeln: „Aye, Sir. Jawohlll, Sir.“ Aber ich glaube, so etwas würde die Hanni nie zu mir sagen. Schade, das gefiele mir schon irgendwie.


Hat sie dir übrigens erzählt, dass sie mich letztens hat hängen lassen bei der Wache? Sie kackt sich an vor Angst wegen dem roten Kater, winselt mir vor, ich soll ihr helfen und dann löst sie mich nicht einmal ab beim Wacheschieben! Die hat mich die ganze Nacht da draußen sitzen lassen. Gut, ich bin eingedöst unter meinen Tarnblättern. Aber trotzdem. „Es war schon so finster draußen. Und kalt“, hat sie gejammert. Und da soll man ruhig bleiben. Ich hab mich wortlos umgedreht – das kann ich mittlerweile ja wirklich ganz gut - und hab vor lauter Wut den halben Garten umgegraben.

Wie Frauli die Furchen im Garten gesehen hat, hat sie gemurmelt, sie wollte eh schon längst neue Blumen. Jetzt hab ich ihr halt die Entscheidung abgenommen, ihr das mühsame Ausgraben der alten Pflanzen erspart. Dann hat sie geseufzt, mir den Kopf getätschelt und mich beschmust. Somit war sie ja doch noch für was gut, meine Wut.

„Hey, was machst du da? Geh weg von meinem Tagebuch. Na warte …“


Hallo, Tagebuch. Ich bin`s, deine Hanni. Hat sie dir wehgetan? Dich beleidigt? War sie blöd? Diese doofe Nuss. Kaum dreht man ihr den Rücken zu …. Oh, wo hab ich denn da jetzt gedrückt. Nein, nicht Nannis Schmarrn veröffentli…

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