• roswithazatlokal

27.05.2020

Aktualisiert: Mai 28


Liebes Tagebuch,

was heute wieder los ist bei uns, das geht echt auf keine Kuhhaut.

Das mit der Kuhhaut sagt unsere Omi immer. Also die Mama von meinem Frauli. Was das genau heißt, weiß ich auch nicht. Ecosia meint, weil sie früher kein Papier hatten, haben die Menschen auf Tierhäute geschrieben.


Wie soll das denn gehen, bitteschön? Ich mein, ich hab ja mein Fell und wenn du auf meine Haut was draufschreiben willst, liebes Tagebuch, musst du mich ja zuerst nackig machen. Das heisst, du musst mir alle Haare ausreißen. Aua, das tut doch höllisch weh! Die spinnen!

Besser ist vielleicht rasieren. Das kenn ich von der Werbung. Da fahren die Menschen mit so einem Dings über ihre behaarten Gesichter oder Beine und schwupps sind sie nackig. Ich muss dann immer lachen, weil das bisserl Fell, was die haben, macht das Kraut auch nicht grad fett!

Hihi, dass hab ich auch von der Omi. Die sagt immer so lustige Sachen. Und die füttert die Nanni und mich heimlich mit Guttis, wenn sie zu Besuch ist. Und wenn Frauli meckert, meint sie nur: „Ich bin die Omi, ich darf das. So oft bin ich eh nicht da.“


Hm, wenn ich es mir recht überleg, wenn ich nackig bin, ist mir doch kalt. Und wenn der rote Kater kommt und mich nackig sieht ist mir das auch irgendwie unangenehm glaub ich. Hm …


Aber was ich eigentlich erzählen wollt: Ich schlendere durch unseren Garten, rieche an den Blumen, beobachte die Schmetterlinge und lausche den Hummeln ... Und stolper über eine Leiche! Ich hab mich grad noch derfangen, sonst hätt`s mich auf die Leich draufghaut. Pfff, Wahnsinn, oder?

Und ich denk mir so: Aber was, wenn dem armen Kerl nur kalt ist und er sich deswegen nicht rührt? Da muss ich doch was tun, den kann ich doch nicht hier so liegen lassen. Mühsam schlepp ich ihn also ins Wohnzimmer, damit er sich aufwärmen kann. Ich maunze dabei ganz laut nach Frauli, damit sie mir hilft. Aber bis die daherkommt, das dauert. Die Omi würde sagen: „Der kannst beim Gehen den Kittl flicken, so langsam ist die.“ Hihi, verstehst du? Die geht so langsam, dass sich wer denkt, na da flick ich ihr halt schnell den Kittel. Ich hab ja grad eh nix anderes vor, das geht sich doch locker alles aus. Auf alle Fälle ist mein Frauli ganz aus dem Häusel wie sie die Leiche sieht. Aus dem Häusel? Egal.


Da stehen wir also, sind ganz verdattert, wissen nicht was tun oder sagen. Frauli stupst ihn vorsichtig mit dem Beserl an. „Oh jegerle, ich glaub, der ist tot“, seufzt Frauli. „Der arme Maulwurf. Ich werd ihn halt entsorgen. Verletzung seh ich keine, vielleicht ist er ja auch an Altersschwäche gestorben.“ Sie schaut mich ganz streng an wie sie das sagt. Die glaubt echt, ich hab was mit dem seinen Tod zu tun. Der war mausetot, wie ich über ihn drübergestolpert bin. Ehrlich.

Hm, kann ein Maulwurf eigentlich mausetot sein, liebes Tagebuch, weißt du das?


Ich glaub, ich krieg Kopfweh, ich geh schlafen. Für heute reicht`s mir. Dass die Omi da war, erzähl ich dir ein anderes Mal.

13 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com