• roswithazatlokal

26.09.2020


Liebes Tagebuch,


Frauli und ich sitzen gemütlich beim Frühstück. Sie mit ihrem Müsli, ich mit einem Leckerli auf ihrem Schoß.

Von der Nanni ist nix zu sehen, die ist wieder einmal ausgeflogen.


Mir ist es draußen ja zu kalt, es herbstelt in der Früh schon gewaltig. Ausserdem schüttet es wie aus Kübeln. Wer geht da schon freiwillig hinaus? Wer, außer der doofen Nuss?

Nach dem Müsli übersiedeln wir auf Fraulis Lieblingssessel und machen es uns mit Kaffee und Zeitung gemütlich. Das ist eigentlich der schönste Part in der Früh. Gemeinsam lesen, das Kreuzworträtsel lösen, Kaffee schlürfen … Das genieße ich wirklich sehr.

Plötzlich wird unsere Idylle gestört. Die Nanni brettert bei der Katzenklappe herein als wäre der Leibhaftige hinter ihr her. Aus ihrem Fell tropft unaufhaltsam Wasser auf den Boden. Sie guckt sich im Zimmer um, stürzt auf Frauli zu und umschmust maunzend ihre Beine.


Bevor Frauli noch irgend etwas sagen kann, dreht sich die Nanni um, erblickt den Wäschekorb auf dem Sessel beim Esstisch. Freudig hüpft sie hinein. Auf der Wäsche hockend bearbeitet sie ausgiebig ihr nasses Fell. Was ich absolut verstehe. Auch eine Miezekatze möchte sich nicht erkälten.

Frauli kreischt, springt vom Sessel auf. Dass sie mich dabei unsanft von ihrem Schoß runterschmeisst, kriegt sie gar nicht mit.

„Nanni, die Wäsche! Die ist doch frisch gewaschen!“

Die doofe Nuss schaut kurz irritiert auf, grinst Frauli ins Gesicht und putzt sich weiter.

„Nanni, die Wäsche!“ Frauli stupst die Nanni an. Diese reagiert überhaupt nicht. Ein Lied maunzend leckt sie inbrünstig ihr Fell trocken.

„Nanni!!!“ Frauli hält Nannis Köpfchen fest, zwingt sie, sie anzusehen. „Meine frischgewaschene Wäsche.“

Die Nanni spitzt ihr Mäulchen und macht Schmatzgeräusche. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, sie imitiert Frauli beim Bussi geben.

„Hihi, bist du süß“, Frauli spitzt ebenfalls ihren Mund und macht Bussigeräusche. „Aber deswegen darfst du trotzdem nicht waschelnass auf der frischgewaschenen Wäsche hocken.“


Frauli hebt die Nanni aus dem Korb und setzt sie auf die Couch. "Da kannst du dich putzen."


Und seither sitzt die dumme Kuh beleidigt auf der Couch und tut so, als wären wir gar nicht da.


Was wiederum das Frauli überhaupt nicht aushält. Sie umschwirrt die Nanni und säuselt herum und bietet ihr Guttis an … Ich bin schon gespannt, wie lange die Nanni widerstehen kann. Am Flattern ihrer Ohren zu urteilen, ist sie schon kurz vorm Aufgeben.


Hihi, hättest du jemals geglaubt, liebes Tagebuch, dass ich einmal die brave Schwester bin? Ich auch nicht *zwinker*.

12 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com