• roswithazatlokal

25.02.2021


Liebes Tagebuch,

ist dir eigentlich schon aufgefallen, dass Frauli irgendwie merkwürdig ist?


Die redet seit Neuestem ständig mit ihren Blumen. Mit Blumen! Ich meine, das ist doch verrückt, oder? Seit wann verstehen Blumen, was man sagt? Hofft sie etwa auf Antworten?


Ich glaube ja, sie sieht sich zu viele komische Filme an. Würde sie so wie die Nanni und ich lehrreiche Dokus und Tatsachenberichte gucken, dann würde sie erst gar nicht auf so verrückte Gedanken kommen. Pfff, Zwiesprache halten mit Pflanzen! Mann, Mann, Mann! Die arme Frau.


„Hanni, hast du meine Kopfhörer genommen?“ Wenn man vom Teufel spricht …

„Nö, warum sollte ich?“ Wieso werde eigentlich immer gleich ich verdächtigt, wenn sie was sucht?

„Na vielleicht, weil du, und nur du, sie mir ständig klaust und anknabberst?“ Frauli steht mit vor der Brust verschränkten Armen vor mir. Mit grimmigem Gesichtsausdruck wippt sie auf und ab. Ich hasse es, wenn sie das macht.

„Ich hab keine Ahnung wovon du sprichst.“ Beleidigt verlasse ich den Schauplatz, sprich ich gehe vom Wohnzimmer in die Küche, und widme mich meiner Futterschüssel.

„Und was ist das da in deiner Spielzeugkiste?“ Sie stampft mir hinterher. Triumphierend hält sie ihre Kopfhörer in der Hand. „Wie kommen die da hinein?“

„Pfff, frag doch die Nanni.“

„Wenn ich jetzt einen Gebissabdruck von dir nehme und mit den Abdrücken auf den Kopfhörern vergleiche, was werde ich wohl herausfinden?“

„Keine Ahnung.“ Unglaublich, wie ich hier behandelt werde. Die sieht sich eindeutig zu viele Krimis an, die gute Frau. „Vielleicht warst du es ja selber und willst es mir in die Schuhe schieben?“ Angriff ist immer noch die beste Verteidigung.

„Sei nicht albern.“ Wenn Blicke töten könnten, würde ich jetzt tot umfallen, so giftig sieht mich Frauli an.

„Wer von uns beiden albern ist, steht außer Frage.“ Ich rümpfe meine entzückende rosafarbene Stupsnase und schlendere betont gelassen zurück ins Wohnzimmer.

„Mir ist das jetzt schön langsam zu blöd mit dir“, grummelt mir Frauli hinterher.


Kurz darauf stürmt sie mit der Gießkanne bewaffnet herein. Sie gießt da ein bisserl und dort ein bisserl, streicht zärtlich über das eine oder andere Blatt der Pflanzen

„Oh, was hast du denn da? Das sollten wir aber schleunigst wegschneiden.“ Fast wehmütig streicht sie dem Usambaraveilchen über die braunen Blütenblätter. „Hoffentlich gehst du mir nicht ein. Ich sollte dir vielleicht etwas Dünger geben. Ach du meine Güte, du lässt ja auch alles hängen!" Sie widmet sich sichtlich erschrocken dem großen Blumenstock daneben. "Hat dich die Hanni wieder massakriert? Unglaublich, was die sich herausnimmt. Aber wenn man was sagt ..."


Sollte ich mir ernsthaft Sorgen machen, liebes Tagebuch? Ich meine, das ist doch nicht normal! Niemand redet mit seinen Pflanzen. Niemand. Und schon gar nicht so viel. "Die dreht jetzt komplett durch", flüstere ich meinem Flamingo ins Ohr.

„Hast du etwas gesagt, Hanni?“ Streng mustert mich Frauli zwischen den Stengeln der Glücksfeder hindurch.

„Ich? Nein, nein.“



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