• roswithazatlokal

21.02.2021


Liebes Tagebuch,

heute ist ein echt arger Tag. So richtig fad. Echt öd. Ich weiß mir echt nix anzufangen. Hab zu nix Lust.

Wenn du mich fragst, bin ich mittendrin in einer Corona-Depression. Das weiß ich vom Fernsehen. So eine Depression bekommt man, wenn man die ganze Zeit isoliert und nur für sich lebt. Also so wie ich. Eingesperrt, ohne Außenkontakte, die ganze Zeit alleine auf sich gestellt.


Und das alles nur wegen diesem Lockdown. Vom Fernsehen weiß ich, was man alles nicht darf. Und was schon. Und was vielleicht lieber nicht. Oder besser doch.

Irgendwann hab ich den Überblick verloren. Und wenn ich mir schon schwer tun, wie wird es da erst anderen Miezekatzen ergehen mit diesem Wirrwarr an Anordnungen?


Die Nanni meint, ich bin sicherlich die einzige Katze, nein das einzige Haustier überhaupt, das sich an die Corona-Vorgaben der Menschen hält. Wahrscheinlich hat sie sogar recht damit. Aber Gesundheit geht vor, findest du nicht auch, liebes Tagebuch?


Die doofe Nuss schert sich ja überhaupt nichts. Die spaziert ein und aus wie es ihr gerade passt. Bringt Mäuse mit nach Hause, ohne an die Gefahren für uns alle zu denken. Wer weiß, mit wem die alle in Kontakt waren?


Ich für meinen Teil halte mich ja streng an die Regeln. Ich geh nur mehr in den Garten, um mein Geschäftchen zu machen. Die Vögel beobachte ich prinzipiell nur mehr durchs Fenster. Ein paar Mal hab ich versucht, sie auf die Ausgangssperre hinzuweisen. Vergebens, wie du dir denken kannst.


Ah, die Rasselbande rückt an.

„Stopp, Nachweis bitte, dass ihr gesund seid“, halte ich Bertl, Dominik, Alexander und Diego auf, indem ich von innen die Katzenklappe blockiere.

„Was willst du?“ Alexander zuckt mit den Ohren. Das macht er immer, wenn er nicht recht weiß was man von ihm will.

„Das Ergebnis Eurer Tests. Seid Ihr krank?“

„Spinnst du jetzt schon total?“, mischt sich die Nanni ein.

„Du wirst es mir noch einmal danken, meine Liebe. Wenigstens eine von uns sollte Verantwortung zeigen.“

„Hört zu, die Hanni glaubt, sie kriegt Corona, wenn ihr zu uns kommt.“

„Corona? Nie gehört.“ Dominik ist nicht so belesen wie ich und daher wundert mich seine Antwort erst gar nicht.

„Corona? Wir Miezekatzen?“ Diego reißt panisch seine Augen auf.

„Corona? Hanni, du spinnst.“ Alexander kichert.

„Woher sollen wir jetzt um diese Zeit ein Testergebnis bekommen, Hanni?“, fragt Bertl, praktisch veranlagt wie immer.

„Das weiß ich doch nicht. Im Fernsehen sagen sie, man darf ohne so einen Nachweis nicht zum Friseur gehen.“

„Aber du bist doch kein Friseur, Hanni“, protestiert Diego. „Das ist reine Schikane, was du da treibst.“

„Ich denk mir die Regeln nicht aus", weise ich ihn zurecht.

„Ha, ich hab`s!“ Bertl strahlt mich an. „Wir bringen dir Leckerlis und dafür dürfen wir zu Euch in die Wohnung.“

„Ist das so etwas wie ein Test?“ Diego kratzt sich am Kopf.

„Sei still!“, zischt ihn Bertl an. „Hauptsache, sie gibt Ruhe.“

„Das hab ich gehört!“ Streng schaue ich ihn an. „Aber gut. Sagen wir, ein Leckerli ist gleichzusetzen mit einem negativen Testergebnis. Ich will da jetzt nicht so sein.“ Großzügig nicke ich in die Runde vor der Terrassentür.






„Ich versteh das nicht, Hanni. Jetzt kriegst du die letzte Zeit nur mehr kleine Portionen und nimmst trotzdem zu.“ Frauli und ich stehen wieder einmal gemeinsam auf der Waage.

„Vielleicht liegt es ja nicht an mir?“, kann ich mir nicht verkneifen.

„Sei nicht frech!" Sie zieht mich am Ohrwascherl. "Da fällt mir ein, ich muss Euch für die jährliche Impfung anmelden“, murmelt sie. „Da werde ich gleich morgen in der Früh wegen eines Termins beim Tierarzt anrufen.“

Impfung? Hat sie jetzt echt Impfung gesagt? Ich soll in die Gefängnisbox? Werde unter Gewaltanwendung zum Tierarzt verfrachtet? Und das alles nur wegen einer Impfung?

„Schau nicht so. Frauli wird hoffentlich auch bald geimpft.“

„Gegen Katzenschnupfen?“ Verdattert sehe ich sie an.

„Nein, ich rede doch von der Corona-Impfung.“

Corona-Impfung? Heißt das, die gibt es auch für uns Miezekatzen? Ich glaub, die hat noch nicht einmal die Omi. Wow, Frauli schaut echt auf uns.

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