• roswithazatlokal

19.12.2020


Liebes Tagebuch,

Frauli stellt uns eine riesengroße Schachtel zum Spielen ins Vorzimmer. Innen drinnen ist ganz viel Raschelpapier. Voll geil!


„Hanni, die bleibt hier aber nicht stehen. Die ist ja fast so groß wie das ganze Vorzimmer“, zerstört Frauli meine Illusion eines neuen Spieleparadieses. War ja klar, oder?


Ich tu erst einmal so, als hätte ich nichts gehört und widme mich voll dem Objekt meiner Begierde. Als erstes schupfe ich das ganze Papier in eine Ecke. Dann nehme ich Anlauf (die Schachtel ist derart groß, dass sich das locker ausgeht) und springe mitten hinein. Gerade wie ich meinen eigenen Rekord brechen will, kriege ich von der Seite eine drüber gewischt.

„Raus mit dir, jetzt darf ich auch einmal!“, zischt mich die Nanni, diese blöde Kuh, an und versetzt mir einen Boxhieb nach dem anderen.

„Aua, spinnst du!“, schreie ich sie an, springe aber vorsichtshalber aus der Schachtel hinaus

„Immer musst du alles haben. Jetzt bin ich dran!“, wiederholt die doofe Nuss.

„Na, warte!“ Ich setze gerade zum Sprung an, als ich Frauli ins Vorzimmer kommen höre.

„Streitet Ihr schon wieder? Am besten wird sein, ich trage die Schachtel gleich zum Papiercontainer. Nicht, dass ihr Euch da noch grün und blau haut deswegen.“

Ich springe zur Braungestreiften in die Schachtel und wir spielen einträchtig Fangen und Verstecken.

„Oh, Ihr spielt nur. Na dann.“ Frauli geht wieder zu ihrer Komödie.

„Raus hab ich gesagt.“ Die Nanni baut sich mit buschigem Schweif vor mir auf.

„Pfff, wenn du glaubst, du kannst mir Angst machen …“ Ich hopse betont gelassen hinaus.


Langsam schlendere ich zu Frauli ins Wohnzimmer und rolle mich auf ihrem Schoß zusammen. Die Komödie ist so fad, ich kann mir die echt nicht ansehen. Also spaziere ich gelangweilt hinauf in den ersten Stock. Oh, wen haben wir denn da? Eine neue Pflanze? Neugierig betrete ich das Gästezimmer. Drinnen auf dem Tisch steht ein hübscher rot blühender Blumenstock.






„Denk nicht einmal dran!“ Frauli steht in der Tür. Wie macht die das bloß? Röntgenaugen? Den sechsten Sinn? Zauberei?

„Du brauchst gar nicht so zu tun, als würdest du jetzt nicht am liebsten die Blume zerrupfen.“ Sie unterzieht mich einer Gesichtskontrolle. „Ich sehe es dir an.“

„Mir? Also ich habe noch n …“, blaffe ich sie beleidigt an.

"Und was ist das?“ Sie zeigt auf einen Übertopf mit Erde. Von einer Blume ist weit und breit nichts zu sehen. „Wer hat den kaputt gemacht?“






„Also …“, versuche ich die Wogen zu glätten.

„Schweig.“ Frauli hat ihren energischen Blick aufgesetzt. Wenn sie den drauf hat, ist es wirklich besser zu schweigen. Mit gesenktem Kopf vertschüsse ich mich ins Büro. Dort ringle ich mich in meiner Nachdenk-Schachtel zusammen.






Die Welt ist echt gemein. Nur weil ich eine Miezekatze bin, glaubt jede sie kann mit mir machen was sie will. Niemand kümmert sich um mich. Niemand geht auf meine Bedürfnisse ein. Ich bin so was von alleine und vernachlässigt. Man sollte direkt den Tierschutz verständigen. Aber sogar das tut niemand für mich.


„Hanni, Nachtmahl!“ Na gut, aber nur ausnahmsweise. Beim nächsten Mal bleibe ich dem Nachtmahl aber fern. Dann werden sie schon sehen, was sie davon haben. Dann werden sie endlich begreifen, dass man mich hegen und pflegen muss. Aber so wie die mich jetzt ... blablabla .... blabla ...blabla ...


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