• roswithazatlokal

19.04.2020


Liebes Tagebuch,

es regnet. Regentage sind super. Da bleiben wir immer gaaaanz lange im Bett. Wir holen uns Tee aus der Küche, kuscheln uns wieder ein in die Bettdecke und lesen gemeinsam die Zeitung. Nur Frauli und ich.

Später, in der Badewanne, kommt es wieder einmal zu Unstimmigkeiten. Ich hab dir ja schon erzählt, dass die Menschen nackig sind. Und sich nicht putzen. Weißt du, was die noch machen, außer sich Stofffetzen umzuhängen? Die duschen. Und weißt du, wie das geht, dieses Duschen? Anstatt sich wie jede anständige Katze abzulecken und zu säubern, brauchen die Menschen Wasser für ihre Reinigung. Ich bin strikte gegen den Einsatz von Wasser hier in unserer Badewanne.

Wie immer diskutieren wir langmächtig darüber, ob Frauli nun duscht oder nicht. "Eine von uns muss jetzt gehen, und das bin nicht ich. Es ist einfach kein Platz für dich in der Wanne, Hanni." Weisst Du, wie groß die Wanne ist, liebes Tagebuch? Da passen noch eine Menge Katzen hinein, wenn du mich fragst. Da ist keine Platznot oder so. Das ist reine Sturheit, die da bei ihr durchkommt. Und soll ich dir verraten, wie es immer endet? Frauli kann nämlich partout nicht nachgeben. Nicht einmal! Die dreht dann doch glatt jedes Mal das Wasser auf, obwohl sie weiß, dass ich das überhaupt nicht mag. Triumphierend hat sie mir heute entgegengeschmettert: "Ha, das hast du nun davon." Ist das zu fassen? Das ist so was von kränkend. Ich hab mich wieder ins Bett gelegt und meine Pfoten trocken geleckt. Was hätte ich auch sonst tun sollen? Schließlich hat sie das Futter.


Ich bin aber überhaupt nicht nachtragend, das entspricht einfach nicht meinem Naturell. Also kraxel ich nach einer Weile aus dem Bett und suche Frauli. Sie sitzt lesend im Wohnzimmer auf ihrem Lieblingssessel. Erwartungsvoll setze ich zu einem eleganten Sprung an, mein Popschi schwebt über Fraulis Buch, bereit sich darauf niederzulassen. Ich drücke zufrieden meine Äuglein zu und stimme mich ein auf Wohlbefinden und Genuß. Da verspüre ich einen unsanften Stoß in meinen Rippen. Ich werde regelrecht zur Seite gekickt und lande unsanft neben dem Sessel auf dem Fußboden. Erschrocken reiße ich meine Äuglein auf und was sehe ich? Nanni, die sich zufrieden grinsend auf Fraulis Buch einbalanciert. "Ja, Nanni-Puppi, du bist ja ganz naß. Warst du im Regen? So ein nasses Puppi aber auch", flötet Frauli und krault Nanni hinter den Ohren. Die Beiden schmusen miteinander, dass einem regelrecht schlecht wird vom Zusehen. Ich rede nie wieder ein Wort mit denen. Nie wieder, die werden schon sehen, was sie davon haben!

"Wollen meine Süßerlis ein Gutti haben? Soll Frauli Euch ein Leckerli geben?", höre ich da Fraulis schmeichelnde Stimme. Naja, beim Fressen muss ich ja nicht reden, das kann ich ja auch schweigend machen. Also geselle ich mich zögernd zu Nanni in die Küche und nehme Fraulis Friedensangebot an. Sie weiß es halt nicht besser, schließlich ist sie ja auch nur ein Mensch.



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