• roswithazatlokal

15.06.2020



Liebes Tagebuch,

wir sortieren Wäsche aus. Frauli möchte alles wegschmeißen, was nicht mehr schön ist. Und spenden, was sie sowieso nie anzieht, aber wie neu aussieht. Letzteres ist nicht wenig, sag ich dir.


Wir ackern uns also durch ihre sämtlichen Kleiderkästen und Wäscheladen durch, durchwühlen den Taschenkasten und den riesigen Schuhschrank. Wenn du das alles so siehst, denkst du, hier lebt nicht eine, sondern fünf Frauen. Ehrlich.


„Das läppert sich halt mit der Zeit“, murmelt Frauli als sie meinen vorwurfsvollen Blick sieht. Mir erzählt sie immer, ich habe viel zu viel Spielzeug. Wir müssten endlich ausmustern. Andere Miezekatzen spielen doch auch draußen in der Natur. Blablabla … Und jetzt guck dir doch einmal diesen Sauhaufen an. Da kommst du ganz schön ins Grübeln.


Und was macht die Nanni? Nix! Wie immer, nix. Oder doch. Die hockt im großen Blumentopf und schaut zu, manikürt sich ihre Krallen und darf einfach sein. Und dieses „Darf-sein“ stört mich schon ein wenig, wenn ich ehrlich bin. Erstens sitzt sie schon wieder dort, wo wir nicht sitzen dürfen und Frauli sagt nichts. Und zweitens hilft sie nicht ein bisschen mit. Typisch verwöhnte Göre.


Aber die Krallen maniküren, das kann sie. Wenn du dir die Krallen, also die in der Werbung nennen es Nägel, putzt und richtest, dann heißt das Maniküre. Klingt nach was ganz Feinem, findest du nicht, liebes Tagebuch? Und dabei magst du nur keine eingerissenen Krallen haben. Oder dreckige. Oder stumpfe. Was die Menschen sich immer für Ausdrücke einfallen lassen!


Frauli schleppt gerade den dritten Wäschesack von oben herunter. Im Vorzimmer reißt sie ihn noch einmal auf, kriecht bis zum Bauchnabel hinein und durchwühlt ihn hektisch.

„Ah, da ist er ja“, triumphierend zieht sie einen Gürtel heraus. "Der ist viel zu schade zum Weggeben, den nehme ich sicherlich noch irgendwann. Und dieses Shirt ist doch auch noch nicht so schlecht.“ Sie kramt weiter darin herum. Das tut sie bei jedem Sack. Wenn sie so weitermacht, müssen wir alles wieder einräumen was wir gerade mühsam aussortiert haben.


Ich bin wirklich froh, dass ich nicht solche Probleme habe. Stell dir vor, ich müsste mein Fellkleid ständig wechseln. Wie umständlich. Nein, da bin ich schon dankbar, dass mir mein Fell immer passt. Wie hat Frauli letztens gesagt? Ach ja: „Hach, jetzt kann ich das gar nicht mehr anziehen, weil es nicht mehr modern ist.“ Was soll das eigentlich heißen, bitteschön? Stell dir vor, mein Fell würde unmodern werden. Da müsste ich ja nackig durch die Gegend rennen. Die Menschen sind beklopft, wenn du mich fragst.

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