• roswithazatlokal

13.07.2020


Liebes Tagebuch,

ich schlendere heute Morgen ins Schlafzimmer, denk mir nix Böses und da sehe ich es. Mitten auf Fraulis Nachtkastl steht ein Häferl. Aber kein normales Häferl. Nein, ein Häferl mit einem Schnürl drinnen. Na, das muss ich doch gleich einmal untersuchen.


Ich stelle mich also auf meine Hinterpfoten und beschnuppere das Ganze einmal vorsichtig. Zart stupse ich das Papierfetzerl am Ende der Schnur an. Die Schnur zwischen meinen Zehen, bemerke ich, dass da ja noch ganz was Gewaltiges dranhängt. Etwas, das sich im Häferl drinnen versteckt. Na, das muss ich mir genauer ansehen.


„Hanni, lass meinen Tee in Ruhe!“ Tee? Welchen Tee? Mensch, Frauli immer mit ihren Verboten. Ich hab’s sie gar nicht gesehen, hab gedacht, sie ist im Bad oder sonst irgendwo.


Gut, dann spring ich zu ihr ins Bett und besehe mir die Angelegenheiten von oben. Ist auch praktischer. „Hanni, du lässt meinen Tee in Ruhe, hörst du?“ Ja, ja, blabla.


Ich setz mich ganz an den Bettrand, tue so, als würde ich dösen. Langsam robbe ich vorwärts in Richtung Häferl. Frauli liest ihre Zeitung, ist also abgelenkt. Ich taste mich vorsichtig mit der Pfote zum Nachtkastl, mache mich gaaanz lange.


„Hanni!“ Vor Schreck zucke ich zusammen, reiße im Zusammenzucken das Sackerl am anderen Ende der Schnur in die Höhe. Igitt, was ist denn das? Ich schüttle meine Pfote aus, das Sackerl fliegt in hohem Bogen davon.


„Haaannnniii!“ Waaas? Wortlos zeigt Frauli auf den Boden vor dem Bett. Gemeinsam schauen wir hinunter. Und da liegt es, das komische nasse Sackerl. „Was hab ich gesagt?“ Was denn? „Wieso kannst du nicht folgen?“ Tu ich doch! „Böse Katze! Ganz, ganz böse Miezekatze!“ Was denn. Schau doch, wie süß ich bin, wenn ich so daliege. Ist das nix?

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