• roswithazatlokal

09.08.2020


Liebes Tagebuch,


Die Nanni ist so gemein!!!


Ich bringe dem Federfisch gerade Kunststücke bei, da kommt die doofe Nuss daher. Schaut wie eine geblitzte Maus. Die steht irgendwie neben sich, wenn du mich fragst. Sie stiert vor sich hin, redet nix, tut nix. Ist nur da und ist blöd.


Nach einer Weile denk ich mir, es geht mich ja überhaupt nix an, was die dumme Nudel macht und wie deppert sie schaut. Hauptsache, ich hab meine Ruhe. Also wende ich mich wieder meinem Federfisch und seiner Ausbildung zu.


Der Federfisch soll heute lernen, dass er wieder von alleine zurückkommt, wenn ich ihn in die Höhe schupfe. Anfangs ist er noch total bockig, wehrt sich regelrecht. Aber es wird immer besser mit der Zeit. Die Nanni sitzt dabei und schaut schweigend zu. Schweigend und blöd. Macht keinen Mucks. Wie eine Statue.


Immer höher schmeiße ich den Fisch, immer schneller kommt er zurück. Nur ganz wenig weicht er ab und zu von der gewünschten Flugbahn ab. „Na warte, Bürscherl“, denk ich mir. „du wirst es auch noch lernen. Ob es dir nun passt oder nicht.“ Die Nanni schaut ins Narrenkastl, scheint mir. Zumindest hat sie gerade nicht den intelligentesten Gesichtsausdruck drauf. Ob die selber mitkriegt, wie dämlich sie ausschaut? Man könnte direkt Mitleid kriegen mit ihr. Ehrlich.


Irgendwann knurrt mein Magen. Federfisch dressieren macht hungrig. Ich lege den Fisch, der sicherlich auch schon müde ist und sich eine kleine Pause verdient hat, ins seinen Spielzeugkorb. In der Küche gönne ich mir ein paar leckere Brekkies und Milch. Im Anschluss noch ein kurzer Besuch am Katzenklo und die Welt ist wieder in Ordnung.


Zufrieden und ausgeglichen kehre ich ins Wohnzimmer zurück. Und was sehe ich? Die doofe Nuss mit meinem blauen Federfisch. Spielt mit ihm, als wäre es ihrer. Schupft ihn derart hoch in die Luft, dass einem beim Zuschauen ganz schwindlig wird.


Und weißt du, was der Fisch macht? Der kommt immer wieder zu ihr zurück. Nicht einen Millimeter von der vorgegebenen Bahn weicht er ab. Nicht ein Futzerl kommt er aus der Spur. Ich bin mir sicher, die machen das nicht das erste Mal. Die haben das geübt, sind aufeinander eingespielt.


Wie mich die Nanni sieht, erschrickt sie kurz. In dem Moment landet der Fisch vor ihr auf dem Fußboden. Die Nanni schmeißt sich drauf und tut so, als wäre nix. Und so sitzen wir jetzt da. Sie auf dem Fisch, ich unmittelbar vor ihr. Wenn die nicht gleich abhaut, dann …

„Hanni, Nanni!“ Oh, Frauli kommt heim. Nanni düst hinaus, lässt den Fisch Fisch sein. Ich hinterher. Wenn sie mir schon meine Spielsachen klaut, das Frauli überlasse ich ihr nicht kampflos!

13 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com