• roswithazatlokal

08.08.2020


Liebes Tagebuch,

ich bin es wieder einmal, die Nanni!


Die Hanni liegt darnieder. Die hat sich heute so aufgeregt. Die ist total aus dem Häuschen, das kannst du dir gar nicht vorstellen.


Ich habe frühmorgens, wie jeden Tag sonst auch, meine Jagdgründe abgeklappert. Weißt eh, man muss ja nach dem Rechten sehen. Muss schauen, ob alles passt. Nicht, dass sich da lauter fremde Miezekatzen niederlassen. Mir genügen schon die frechen einheimischen. Und, das kennst du sicher aus dem Fernsehen, man muss darauf achten, dass es keinen Überschuss gibt, was das Wild betrifft. Also meine Beute. Die Mäuse halt. Man muss sein Jagdgebiet hegen und pflegen. Ganz einmal davon abgesehen, dass so eine Maus zwischendurch total lecker schmeckt.


Die Jagd ist nur etwas für Frühaufsteher. Für Langschläfer wie die Hanni ist das nix. Um zehn Uhr am Vormittag kannst du das vergessen. Da ist entweder schon alles leergejagt oder die Mäuse verkriechen sich wegen der Hitze schon wieder in ihrem Bau.


Heute ist ein guter Tag, was die Mäusejagd betrifft. Es flutscht nur so. Und weil es eben so gut läuft, nehme ich eine Maus für Frauli mit nach Hause. Wie immer will ich sie in die Küche legen, damit Frauli sie gleich nach dem Aufstehen sieht.


Ich steh gerade mitten im Vorzimmer als mein Bauch fürchterlich zum Grummeln anfängt. „Oh, oh!“, denk ich mir noch. „Das hört sich nicht gut an. Ich hätte doch noch eine Maus verschmausen sollen.“ Kurz überlege ich, ob ich mir die mitgebrachte Maus einverleibe, lass es aber dann doch sein. Frauli kommt ja selber nicht zum Fangen. Die freut sich immer so, wenn sie ein Leckerli von mir abbekommt. Ich glaub, sie ist selber schon viel zu alt fürs Mäusefangen, die Arme.


Ich leg die Maus also mitten ins Vorzimmer und düse bei der Katzenklappe wieder hinaus in den Garten. Du kannst dir sicherlich vorstellen, was ich dort gemacht habe. Mein Bäuchlein war nachher vollauf zufrieden, mehr muss ich dazu erst gar nicht sagen.


Wie ich wieder zurückkomme, torkelt die Hanni total verschlafen hinter Frauli die Stufen vom Schlafzimmer herunter. Frauli verzieht sich in ihr Kisterl. Wieso gehen die Menschen eigentlich nicht hinaus, wenn sie müssen? Aber gut, das macht die Hanni ja auch nicht. Die ist auch schon total verweichlicht.


Hanni setzt sich mitten ins Vorzimmer, um auf Frauli zu warten und döst wieder ein. Die Maus bemerkt sie gar nicht, so müde ist sie anscheinend noch.

Mit einem Mal kippt sie um und knallt mit dem Kopf auf meine Maus drauf. Ein Bild zum Schießen sag ich dir. Die Hanni schnappt nach Luft, kriegt dabei ein Stück Maus in ihre Schnauze, erschrickt fürchterlich und rennt quiekend davon.


Ich wette mit dir, liebes Tagebuch, die hockt heut wieder den halben Tag da oben in ihrer Bettzeuglade und fürchtet sich. Und so was nennt sich Katze.

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