• roswithazatlokal

04.08.2020


Liebes Tagebuch,

ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin total erschüttert. Nein, traurig. Nein, … Kurz und bündig: Ich finde meinen Flamingo nirgends!


Ich bin mir sicher, dass er gestern noch auf seinem Platz in der Spielzeugkiste war. Gemeinsam mit seinen Freunden, wie dem Ball, dem Küken, dem Schmusepolster, dem Federfisch, dem Stinkepolster, … Und heute ist er nicht mehr da. Einfach weg. Spurlos verschwunden.


Ich hab ihn schon überall gesucht. Sogar unter der Couch habe ich nachgeschaut. Da hab ich aber nur ein Gummibärli und ein Soletti gefunden. Schmeckt mir aber beides nicht.


Der Federfisch versucht mich abzulenken. Er kitzelt mich an der Nase. Solange, bis ich niesen muss. Ich stupse ihn zur Strafe zur Seite. Im Vorbeifliegen tatscht er mir mit der Federschwanzflosse ins Gesicht. Ich nehme die Herausforderung an, hopse ihm hinterher.


Und gerade wie ich so im hohen Bogen durch die Luft segle, sehe ich sie. Nanni und meinen Flamingo. Einträchtig mitten auf dem Esszimmertisch. Mir scheint, ich habe ein Déjà-vu. Engumschlungen und total verschmust liegen sie da, mein Freund und meine doofe Möchtegern-Schwester.


Das wirft mich im wahrsten Sinne des Wortes aus der Bahn. Ich komme ins Schleudern, donnere gegen den Couchtisch und bleibe schwer verletzt auf dem Teppich liegen.


Okay, körperlich fehlt mir nix. Aber seelisch.


Kannst du dir meine Enttäuschung darüber vorstellen, liebes Tagebuch, dass sie es schon wieder miteinander treiben? Schon wieder Spaß miteinander haben? Die Einzige, mit der mein Flamingo Spaß haben sollte, bin doch wohl ich. Soll sich die dumme Nuss doch ihr eigenes Spielzeug besorgen!


Na, der Flamingo kann etwas erleben. Kaum lasse ich ihn aus den Augen, geht der fremd. Das ist doch nicht normal so etwas! Aber der wird mich noch kennen lernen. Der wird in Zukunft zu müde sein, um mit der doofen Nuss herzumzutun, das schwöre ich dir, liebes Tagebuch.

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