• roswithazatlokal

02.08.2020


Liebes Tagebuch,

heute bin ich besonders brav. Ich helfe Frauli wieder einmal im Garten, mache mich nützlich. Die Nanni kugelt derweil im Wohnzimmer herum und schlaft. Diese faule Nuss aber auch!


Wir zupfen bei den Blumen herum, stutzen den Weinstock und füllen das Vogelfutter nach. Und während Frauli im Vorgarten herumwerkelt (da darf ich ja leider nicht mit), suche ich mir derweil anderweitig Arbeit. Jawohl, ich suche danach. Mir muss man nämlich nicht jede Kleinigkeit anschaffen. Ich sehe von selber wo Not an der Katze ist.


Ich beschnuppere als erstes sämtliche Blumen. Diese Prozedur nennt man Qualitätssicherung. Im Radio haben sie gesagt, dass das ein ganz ein wichtiger Vorgang ist. Man muss in regelmäßigen Abständen kontrollieren, ob Korrekturen notwendig sind. Ich nehme an, sie meinen ob die Blume hin ist oder nicht, ob sie stehenbleiben darf oder umgeschnitten werden muss. Weißt du eigentlich, wie viele Käferl und Schmetterlinge auf so einer Blume sitzen? Wahnsinn. Ein ganz ein frecher Grashüpfer springt mir mitten auf die Nase. Ich niese ihn aus Versehen ganz weit weg. Hoffentlich tut er sich nicht weh bei seiner Landung.


Tja und nach dieser Inspektion sehe ich mir dann gleich einmal ganz genau die Bodenbeschaffenheit an. Die Landwirte gehen über ihre Felder und schauen, ob der Boden nährstoffreich ist, was sie als nächstes anpflanzen könnten. Und ob die Erde eh schön braun und saftig ist. Wirklich saftig? Hm, sind nicht die Wiesen die saftigen? Egal. Bei uns im Garten gibt es staubige braune, schwarze glitschige und grasige Erde. Lange überlege ich, was das für uns bedeutet, komme nicht wirklich zu einer Erkenntnis.


Nun ist es an der Zeit, unsere Käfer zu analysieren. Weil, sobald sich die Tierwelt wohl fühlt, passt das Umfeld. Also fange ich einen Käfer nach dem anderen vorsichtig ein. Brr, manche sind nicht sehr ansehnlich, andere wiederum stinken. Ob sie heute nicht gebadet haben? Vorsichtig setze ich sie in meine Spielzeugkiste. Blöd ist nur, dass die sofort wieder flüchten wollen. Ich hab ganz schön zu tun mit der Bande. Kaum habe ich einen reingesetzt und will den nächsten holen, krabbelt der erste schon wieder heraus. Gerade wie ich einen Regenwurm dazupacken will, kommt Frauli daher.


„Hanni, was machst du denn? Iiiiihhhh!!!“ Meine Güte stellt die sich wieder einmal an. Oh, da krabbelt ja der Käfer, der mir vorhin ausgebüchst ist. „Hanni, sag einmal spinnst du?“ Frauli rennt in die Küche, kommt mit der Mistschaufel retour. „Was dir immer alles einfällt.“ Sie kehrt den Wurm drauf, bringt ihn in den Vorgarten. Man darf ihr das nicht übel nehmen, sie ist wissenschaftlich nicht so versiert wie ich. Die schaut meistens Krimis oder französische Komödien. Da lernst du natürlich nix über die Abläufe in der Natur und den Erhalt des Status Quo in deinem Garten.


Leicht belustigt gucke ich zu, wie Frauli versucht sämtliche Tiere einzufangen und hinauszutragen. Die stellt sich echt so was von ungeschickt an. Kurz überlege ich, ob ich ihr helfen soll, lass es aber sein. Schließlich wird meine Arbeit hier nicht wertgeschätzt, da kann ich es auch gleich bleiben lassen.


„Wieso hast du diese Getier eigentlich mit nach Hause genommen? Kannst du nicht draußen mit denen spielen?“ Spielen? Hat sie jetzt allen Ernstes gesagt spielen? Als ob unsereine für so etwas Zeit hätte!

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