• roswithazatlokal

27.10.2020


Liebes Tagebuch,


Frauli bildet sich unbedingt ein, dass wir bügeln. Als ob das nicht noch ein wenig warten könnte. Aber nein, es muss heute sein. Eine Mordsplackerei wie du ja wohl weißt. Die meiste Arbeit hängt ja an mir. Das bisserl, das Frauli dabei zu tun hat, zählt da ja gar nicht.

Endlich knotzen wir uns auf die Couch, um uns auszurasten. Da fängt Frauli zum Herumkramen an. Und vorbei ist es mit der Ruhe. Wie sich herausstellt sucht sie ihr Handy.

„Weil“, so erklärt sie mir, „auf dem Handy ist mein ganzes Hirn drauf.“ Jetzt wird mir schlagartig einiges klar!


Frauli wischt auf ihrem Handy herum – es scheint echt furchtbar dreckig zu sein – um dann entzückt auszurufen: „Ich hab`s gewusst. Na, den hol ich aber heute noch ab, den Befund.“ Sie schubst mich von ihrem Schoß und humpelt hinauf ins Schlafzimmer. Juchuh, vorher gehen wir noch ein wenig schlafen. Voller Freude hüpf ich ihr nach.


Fehlanzeige. Nix schlafen und kuscheln. Frauli zieht sich um. Aber es ist nicht ihr Pyjama, den sie anzieht. Nein, es sieht eher nach Fortgeh-Kleidung aus. Mürrisch lege ich mich ins Bett, versuche ihr das Kuscheln schmackhaft zu machen. Ich maunze, schaue lieb und dreh mich von einer Seite zur anderen … Sie haut ab.


Schon wieder bin ich alleine. Die doofe Nuss ist unterwegs. Ich nehme an sie befindet sich auf der Jagd. Um mich kümmert sich wieder einmal keiner.


Mal schauen, was könnte ich tun? Meine Spielzeugkiste umräumen? Nö, das artet in Arbeit aus. Spielen? Nö, alleine ist das echt fad. Was essen? Okay, eine Kleinigkeit geht immer. Danach ein Nickerchen? Wieso nicht, das hab ich mir heute echt verdient. Fällt dir etwas auf, liebes Tagebuch? Ständig habe ich lange Listen abzuarbeiten. Da muss man ja müde werden.


Munter werde ich durch das Geräusch des Schlüssels an der Haustür. Ich springe natürlich sofort auf, renne zur Tür. Nix. Sollte ich mich verhört haben? Sicher nicht. Da höre ich draußen Frauli herumkramen. Was macht die denn schon wieder?


Ich düse in die Küche, springe aufs Fensterbrett. Mensch, das hätte ich mir ja gleich denken können. Sie richtet für den Igel Futter her. Ist das zu glauben? Ihre Miezekatze wartet sehnsüchtig auf sie und sie hat nix besseres zu tun als sich um fremde Tiere zu kümmern.


Endlich ist sie fertig damit. Ich sause zur Eingangstür, setze mein Willkommens-Gesicht auf. Nix. Das gibt`s doch nicht.


Wieder renne ich in die Küche, hopse auf das Fensterbrett. Mann, jetzt befüllt sie auch noch das Futterhäuschen für die Piepmätze. Die Katze kann ja verhungern, Hauptsache alle anderen sind satt.


Sie geht Richtung Wohnungstür. Ich hopse ins Vorzimmer. Mit einem Hallo-Grinsen tripple ich von einem Bein aufs andere. Wehe, sie kommt nicht.


Die Tür geht auf, mein Frauli strahlt mich an.

„Ja, Hanni-Puppilein, das ist aber schön, dass du auf mich wartest.“ Na, was hätte ich sonst auch tun sollen? „Warte, Frauli zieht sich schnell um und dann kuscheln wir bei einem Kaffee.“ Na, endlich.


Gemeinsam erklimmen wir die Stufen zum Schlafzimmer. Ich sofort aufs Bett, damit mir ja nichts entgeht. Und wirklich, Frauli schält sich aus ihrer Kleidung, greift zu ihrem Zuhause-Gewand.

Ich kann nicht anders. Ich muss es einfach tun. Ich stürz mich auf Fraulis Leiberl und schmiege mein Gesicht hinein. Hach, das riecht so gut nach Frauli. Tief vergrabe ich meine Nase darin.

„Hanni, du machst mir mein T-Shirt kaputt.“ Nein, ich werte es auf. Immerhin riecht es jetzt auch nach mir. „Weißt du was, bevor wir uns auf die Couch knotzen, nehmen wir noch ein Bad.“ Och, muss das sein?

Und so hock ich wieder einmal im Bad und warte bis Frauli aus der Wanne steigt. Und da soll noch jemand sagen, wir Miezekatzen hätten ein leichtes Leben.

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