• roswithazatlokal

26.12.2020


Liebes Tagebuch!

Mit den Worten „das muss ich jetzt sauber machen“ zieht mir Frauli mein Klo unterm Hintern weg.


Na ja, nicht wirklich. Aber fast. Ohne Rücksicht auf meine Gefühle wird es geschnappt, entführt, draußen in die Mülltonne entleert und dann in der Badewanne geschrubbt. Nicht, dass ich etwas gegen Sauberkeit habe. Aber ich wollte es gerade benutzen.


Kurz habe ich ja überlegt, ob ich jetzt einfach dort, wo es sonst immer steht, mein Geschäftchen hinmachen soll. Ich orientiere mich aber um wie es so schön heißt. Ich gehe hinaus in den Garten und funktioniere meinen Lieblingsstrauch zur Toilette um.


Jetzt stell dir einmal vor, liebes Tagebuch, was Frauli wohl sagen würde, nähme ich ihr einfach ihr Klo unterm Hintern weg. Ohne Vorwarnung, ohne ein Wort des Trostes.

Eben.


Aber die Geschichte geht ja noch weiter. Nach der Reinigungsaktion im Bad überlegt Frauli doch glatt laut: „Eigentlich brauchst du ja kein Klo. Das steht die meiste Zeit eh unnütz herum. Die paar Mal, die du es benutzt, auf die kommt es doch auch nicht mehr an. Oder sehe ich das falsch?“ Ich bin so überrumpelt, dass mir momentan gar nix dazu einfällt. Wortlos starre ich sie an, warte darauf, dass sie mir sagt, es wäre ein schlechter Scherz gewesen oder so.

„Dein Schweigen nehme ich als Zustimmung.“ Wie bitte? Habe ich mich gerade verhört? „Dann bringe ich den Koloss hinauf auf den Dachboden.“

„Nein!“, bricht es aus mir heraus. Endlich. Ich war echt sprachlos ob der Kaltschnäuzigkeit von Frauli mir und meinem Klo gegenüber. „Nein! Es bleibt da stehen!“ Um meine Worte zu unterstreichen stampfe ich mit den Vorderpfoten auf.

„Aber Hanni, …“

„Nix, Hanni!“

„Meine Güte, bist du aber schlecht gelaunt. Du tust ja geradeso als gäbe es keine andere Möglichkeit für dich. Wir haben doch den Garten.“

„Pfff! Geh du doch hinaus bei jedem Wetter.“

„Ich bin ja keine Miezekatze.“

„Was hat das damit zu tun?“

„Miezekatzen gehen in den Garten kacken. Menschen nicht.“

„Sagt wer?“

„Ich!“

„Pfff!“

Wir stieren uns schweigend an.

„Na gut, dann lass ich es halt stehen!!!“, brüllt mich Frauli an.

„Gut so! Danke!!!“, brülle ich zurück.

„Gerne doch!!!“

„Pfff!!!“


Nanni, die gerade von der Jagd heimkommt, schnappt sich sofort wieder die auf den Boden gesetzte Maus und flüchtet hinaus in den Garten. „Da ist es ja draußen in der Kälte noch angenehmer, da herrscht wenigstens keine dicke Luft.“

„Dann bleib doch draußen!“, schreien Frauli und ich ihr hinterher. Wir blicken uns an, nicken uns kurz zu und wenden uns der Treppe zu.

„Milch oder Wurst?“, fragt mich Frauli.

„Milch“, antworte ich.

„Na, dann komm mit in die Küche.“ Frauli reißt die Terrassentür auf. Ich rufe hinaus: „Nanni, komm herein, es gibt Milch.“



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