• roswithazatlokal

21.07.2020


Liebes Tagebuch,

heute ist Gartenarbeit angesagt. Der letzte Sturm hat einen Strauch ziemlich durcheinandergeschüttelt und jetzt hängt er ein bisserl schief in der Gegend herum.

„Nicht, dass der uns auf den Kopf knallt. Die Blüten schauen sehr schwer aus, den müss ma stutzen“, erklärt mir Frauli und holt Gartenscheren in verschiedenen Größen aus dem Geräteschuppen. Sie legt sie griffbereit auf die Liege. Meine Aufgabe ist es, alles gut im Auge zu behalten. Und so sitz ich also da und pass auf wie ein Luchs, dass uns keiner die Scheren klaut.


Den riesigen Heuschreck sehe ich schon von Weitem. Nicht mit mir, Freundchen, denk ich mir und schmeiß mich in all meiner Pracht auf die Riesenschere drauf, so dass sie fast ganz unter mir verschwindet. Ha, jetzt soll er schauen, wo er eine Schere herbekommt, der Gauner.


Frauli keucht und schnauft, man könnte meinen, sie muss einen Ringkampf austragen. Wir werkeln schließlich beide wie die Verrückten. Aber jammere ich vielleicht? Glaubt die etwa, auf Scheren aufpassen ist so einfach? Das geht auch nicht so locker-flockig ab. Im Gegenteil! Das ist ein ganz ein gefährlicher Job, den ich da mache. Was, wenn eine Biene sich partout hier her setzen will? Ich mein, so ein Stachel ist gemeingefährlich. Aber mir liegt das nicht, dieses Herumgetöne. Ich muss mich auch nicht dauernd in den Mittelpunkt stellen so wie mach andere hier. Ich nicht.


Jetzt steht die bald bis zu den Knien in Ästen und Blättern. Wenn die so weitermacht haben wir am Ende gar keinen Strauch mehr. Also ich buddle sie da mit Sicherheit nicht aus, das steht fest.


„Puh, mir ist ganz schön heiß“, murmelt Frauli. Als ob ich das nicht riechen würde! „Ich glaube, ich lass das einmal so. Nachschneiden kann ich ja immer noch.“ Gib doch einfach zu, dass es dich nicht mehr freut. Tztztz, wenn ich so eine Arbeitsmoral hätte …


Frauli holt die Biotonne von draußen. „Das Holz können wir im Winter gut zum Unterzünden nehmen“, keucht sie während sie das Grünzeug von den Ästen trennt. Die Äste und Zweige schneidet sie klein und schmeißt sie in die Holzbox. Das Grünzeug wirft sie in die Tonne. Die quillt innerhalb kürzester Zeit über. Das hätte ich ihr gleich sagen können, dass da nicht alles rein geht. Aber glaubst du, liebes Tagebuch, die hätte mir geglaubt? Genau, und deshalb hab ich auch nichts gesagt.


Sie stopft mit den Händen die raushängenden Stängel und Blätter in die Tonne, schmeißt sich mit ihrem gesamten Gewicht oben drauf. „Das wär doch gelacht“, japst sie dabei wie ein jaulender Köter. Schwitzen tut sie mittlerweile wie ein Schwein. Die Haare hängen ihr zottelig ins Gesicht, eine Spinne krabbelt über ihr dreckiges Shirt. Ihre Hose ist durchnässt vom feuchten Gras und hängt irgendwie windschief auf ihren Hüften. Von den alten schiachen Gartenclogs will ich erst gar nicht reden. Nur, damit du dir ein Bild von der Szene machen kannst, liebes Tagebuch. Das ist alles andere als ein schöner Anblick, sag ich dir. Vom Duft, den sie verströmt, ganz zu schweigen. Und dabei stehen wir im Freien. „Ich brauch Wasser!“ Frauli verschwindet in der Wohnung. Ob sie endlich duscht?


Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen hüpf ich auf die Holzbox, schau mir das Biotonnen-Dilemma aus der Nähe an. Mit aller Wucht spring ich oben drauf, mitten hinein ins weiche Grün. Ich stampfe so fest es geht mit den Pfoten das überstehende Zeug in die Tonne. Ich trete und stopfe, springe und drücke. Mein kleiner Katzenkörper gibt alles, was er kann. Vom Gefühl her bin ich schon fast bei der unteren Hälfte der Tonne angelangt.


„Ja, Hanni, was machst du denn? Wenn ich da nicht schau und zumache, haben wir eine Katze weniger.“ Frauli hebt mich heraus, knuddelt mich ein wenig und schiebt die Tonne hinaus. Das war`s? Kein danke, kein super, kein toll gemacht? Ich mach hier die schwere Drecksarbeit und das war`s?

"Bitte, gerne!" schreie ich ihr nach.

"Hast du was gesagt?" Frauli steht in der Tür und grinst mich erwartungsvoll an.


Schweigend verziehe ich mich auf die Couch. Und wer liegt auf meinem Platz? Natürlich die Nanni. Eh klar, ich hackle wie die Blöde und sie macht sich einen Lenz. Im Vorbeigehen geb ich ihr einen Tritt in ihren Allerwertesten. Unsanft geweckt, sieht sie mich erschrocken mit riesigen Augen an, die doofe Nuss. Ich fauche sie an, hebe bedrohlich die Pfote. Und was macht sie? Zeigt mir den Vogel, kringelt sich wieder ein und pennt weiter. Wenn das hier so weitergeht, dann ...


"Hanni, Nanni! Essen!" Oh, Abendessen.

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