• roswithazatlokal

13.09.2020


Liebes Tagebuch,


Tag zwei des Unentbehrlich machen.


Fleißig wie ich bin, beginne ich bereits des Nachtens damit und mache mich nützlich, halte Frauli warm. Überall dort wo sie keine Bettdecke hat kuschle ich mich ganz eng an sie. Manchmal lege ich mich auf sie drauf, damit sie nicht auskühlt. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt, so unruhig wie die schläft. Manchmal lugen ein Bein und der Popsch gleichzeitig unter der Bettdecke hervor, da weißt du dann ja gar nicht, was du als erstes wärmen sollst.


Beim sonntäglichen Zeitung lesen im Bett nehme ich ihr das Halten ihres I-Pad ab. (Heute ist doch Sonntag? Oder ist die am Ende gar schon in Pension?) Das ist vielleicht ein Kampf. Irgendwann lehnt Frauli es mir seufzend an den Hintern und liest. Das ist sehr unbequem für mich. Nachdem ich es mir aber nicht mit ihr verscherzen will, halte ich still. Zumindest einige Seiten lang.


Beim Putzen der Kaffeemaschine gebe ich beinahe auf. Das ist so eine Sauerei, nicht zu glauben. Hast du gewusst, liebes Tagebuch, dass innen drinnen pickiges Kaffeepulver zu Hause ist? Und dass man die Kaffeemaschine nicht in den Geschirrspüler geben darf? Das wäre doch viel einfacher. Warum das noch niemand erfunden hat, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Frauli ist ja so lieb, sie will mich doch tatsächlich schonen und alleine putzen. Aber das lasse ich nicht zu. Da nehme ich auch kaffeeverschmierte Pfoten und Kaffeesud in den Schnurrhaaren in Kauf.


Immerhin muss ich ja Pluspunkte sammeln für den Fall, dass Frauli sich nicht über die Katzenfutterbestellung freut. Ich an ihrer Stelle wäre ja stolz auf meine Miezekatze, die Selbstversorgerin ist und mir noch dazu einen Haufen Arbeit abnimmt. Aber Frauli ist da irgendwie eigen, wenn du mich fragst. Die lässt es sich nicht nehmen uns zu umsorgen und zu verwöhnen. Dagegen bist du machtlos, noch dazu wenn du so eine süße Miezekatze bist wie ich.


„Hanni, magst nicht ein bisserl spielen gehen?“ Nein. „Seit gestern bist du so lästig. Was ist los mit dir?“ Lästig. Ich? „Hast du etwas angestellt?“ Nein. „Du nervst. Kannst du dich nicht einfach in die Sonne legen wie deine Schwester?“ Ich habe keine Schwester. Oh, du meinst die Braungetigerte?

Fraulis Blick wandert wie ein Detektor über mich hinweg. Vom Schwanz bis zu den Ohrenspitzen bin ich ihren strengen Augen ausgesetzt. „Sprich mit mir. Wenn du jetzt mit der Wahrheit rausrückst, verspreche ich dir, nicht böse zu sein.“ Ha, das ist der älteste Trick der Welt. Darauf falle ich nicht herein.

„Hannniiii!!!“

„Waaasss?“

„Was hast du wieder angestellt?“

„Nichts!“

„Sicher?“

„Ja.“ Verdammt, ich komm da irgendwie nimmer raus. Aber vielleicht kann ich den Paketboten abpassen. Wenn sie den erst gar nicht zu Gesicht bekommt, hab ich gewonnen. Nur, wie soll ich das bloß anstellen?

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