• roswithazatlokal

01.10.2020


Liebes Tagebuch,


du glaubst gar nicht, was es so alles gibt.


Die im Fernsehen sagen doch tatsächlich, wir Katzen leben in Gemeinschaften, also im Rudel. Die spinnen! Noch eine Nanni? Oder gar zwei oder drei? Nein, nein, die verwechseln da irgendetwas.


Als Beweis zeigen sie die Katzen in Rom. Mann, bin ich erleichtert. Es ist mir ja so was von wurscht, was die Miezen dort machen. Hauptsache hier bei uns daheim gibt es keine römischen Verhältnisse.


Einen Mordsdämpfer kriege ich, wie sie von den Miezekatzen auf heimischen Bauernhöfen erzählen. Natürlich mach ich mich sofort im Internet schlau, ab wann man ein Bauernhof ist.


Wenn ich richtig lese, ist unser Zuhause kein Bauernhof. Dafür fehlen uns die Hühner und die Kühe und was es sonst noch so alles an Getier gibt. Auch besitzen wir keinen Getreideacker.

Obwohl, unser Garten könnte noch einer werden, ein Acker. Man weiß im Endeffekt ja nie, was Frauli so alles einfällt, wenn’s um ihr Grünzeug geht.


Ha, jetzt hab ich’s! Wir sind Obstbauern. Wir kommen heuer locker auf vier Birnen, elf Kirschen, zwei Paradeiser (da wachsen aber noch welche!), eine Handvoll Waldbeeren und etliche Erdbeeren.


Verflixt, wir haben ja auch noch den Weingarten! Für unsere Traubenernte haben wir vier große Schüsseln gebraucht, so viel war da drauf.


Sind wir jetzt Großbauern? Und muss sich Frauli jetzt ein Katzenrudel anschaffen, weil das zu einem Bauernhof dazugehört? Oder sind die doofe Nuss und ich eh schon längst besagtes Rudel?


Ab wann ist man ein Rudel? Und warum genügt nicht eine einzige Miezekatze? Würde Frauli die Nanni umsiedeln, wenn ich präsenter wäre? Oder beglückt sie mich am Ende gar mit noch so einer Braungestreiften, damit wir mit den anderen Bauern mithalten können?


Wieso verbreiten die im Fernsehen nur solche Schauergeschichten?

Total aufgewühlt erzähle ich der Nanni davon. Je länger ich rede, um so mehr bin ich davon überzeugt, es handelt sich hier um sogenannte Fake-News, von denen man in letzter Zeit so viel hört. Der komische Mann mit den gelben Haaren sagt das doch auch. Du weißt schon, liebes Tagebuch, dieser ganz berühmte drüben im Ausland. Nein, nicht der Homer Simpson, der andere.


Ich glaube, die Nanni ist ausnahmsweise einmal voll meiner Meinung. Mit einem gezischten „Tztztz“ schüttelt sie den Kopf, tippt sich auf die Stirn und murmelt: „Oh Göttin Bastet, lass es Weisheit regnen.“

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