• roswithazatlokal

31.08.2020


Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli. Stell dir vor, was heute passiert ist!

Ich komm heim und die Nachbarin überreicht mir freudig ein Packerl, welches sie für mich dankenswerterweise übernommen hat. Ich kann mich gar nicht erinnern, irgendetwas bestellt zu haben. Wobei mir das öfter passiert, dass ich so etwas vergesse. Vor allem, wenn die Lieferzeit sich elendslang dahinzieht.


Gut, denk ich mir, dann mach ich das Packerl halt einmal auf. Die Hanni, die Neugierdsnase, hüpft aufgeregt auf dem Tisch hin und her. Sie umringt und beschnüffelt das Paket, ganz so als könnte sie erschnuppern, was sich innen drin befindet.


Fast hätte ich anstatt das pickerte Paketband Hannis Schwanz durchtrennt, weil sie mir dauernd dazwischen springt, so aus dem Häusl ist sie. Ich mein, mittendrin und auch dabei ist sie sowieso immer, aber sich derart aufgeführt hat sie sich echt schon lange nicht mehr. Gerade, dass sie mir nicht die Schere aus der Hand reißt und das Paket selber aufreißt.


Endlich offenbart sich uns der Inhalt! Verdattert nehme ich ein Drum nach dem anderen in die Hand, studiere die Aufschriften auf den Plastiksackerln, in denen sich die merkwürdigsten Dinge befinden. „Winky Plinky, der kleine Katzenfreund“ (ein riesiger Stinkepolster, der glitzert und knistert), „Rudolf Rüpel“ (eine Ratte in Jogginganzug und Turnschuhen mit elendslangem Schwanz), „Wuschel, die Ente“ und „Wurmi, der Regenwurm“ (eher eine Schlange mit riesigen Kugelaugen) lese ich da.


„Was zum Teufel? Das hab ich nie und nimmer bestellt!“ Ich fasse es nicht. Die müssen da etwas verwechselt haben. Ich checke meine Emails. Tatsächlich: eine Bestellbestätigung, eine Lieferankündigung für heute und eine Übernahmebestätigung. Ich logge mich auf der Internetseite des Anbieters ein, durchsuche mein Kundenkonto. Unglaublich, der ganze Ramsch befindet sich fein säuberlich aufgelistet in meiner Bestellliste. Die Bestellung habe ich anscheinend gestern Nachmittag aufgegeben. Die Abbuchung von meinem Konto ist heute Mittag nach Lieferung erfolgt.


„Das muss ein gewaltiger Irrtum sein!“ Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich habe das nicht bestellt. Komisch. Am besten ich schicke alles zurück, lasse mir das Geld rückbuchen.


Im Wohnzimmer angekommen, stehe ich vor einer leeren Schachtel. Zerrissene Plastiksackerl liegen auf dem Boden verstreut, vom Inhalt keine Spur.


„Also, spinn ich jetzt schon ganz, oder was?“ Irritiert begebe ich mich ins Vorzimmer zum Spiegel. Ich strecke mir die Zunge entgegen. Sieht gesund aus. Ich befühle meine Stirn. Nicht zu warm, aber auch nicht zu kühl. Also neutral.

„Spukt es hier?“ Vorsichtig schaue ich mich um. Wo ist eigentlich die Hanni?

„Hanni, Puppi!“ Keine Antwort. Keine Katze in Sicht.


Ich suche im Erdgeschoß alles ab. Keine Spur. Weiter auf die Terrasse. Nichts.

Ha, die Bettzeuglade.

Auf Zehenspitzen schleiche ich nach oben. Vorsichtig ziehe ich die Lade heraus.

„Hanni?“ Da liegt sie. Meine Katze. Liegt auf Winky Plinky, den Regenwurm trägt sie wie einen Schal um den Hals. Wuschel und Rudi Rüpel werden abwechselnd von Hanni geboxt, in die Luft geschleudert und kräftig durchgeschüttelt.

„Hanni?“ Hanni ist so vertieft, dass sie mich gar nicht wahrnimmt. Ihr Gesichtsausdruck drückt Begeisterung und Zufriedenheit aus. Mit einem Wort: Meine Katze strahlt vor Glück. Wortlos schließe ich die Lade. Das Geld kann ich dann ja wohl abschreiben. Aber wer, verdammt noch einmal, hat das alles bestellt?


Liebes Tagebuch,

ich bin es die Hanni! Stell dir vor, was heute passiert ist! Meine Spielsachen sind alle gekommen. Die sind so schön! Und so lustig! Aber ich hab jetzt gar keine Zeit für dich, ich muss weiterspielen.

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