• roswithazatlokal

30.10.2020


Liebes Tagebuch,

irgendetwas stimmt hier nicht.

Weil, wenn du genau schaust, siehst du, dass die Nanni sich merkwürdig verhält. Merkwürdiger als sonst.


a) Sie meditiert mit mir.

b) Sie möchte, dass ihre Freunde auch meine Freunde sind.

c) Sie teilt ihr Essen mit mir. Als ob ich Joghurt mögen würde!

d) Manchmal spielen wir sogar zusammen.


So, und jetzt sag mir, dass das nicht alles mehr als … dubios ist. Da ist doch etwas im Busch. Ein Hinterhalt? Ein Anschlag? Oder etwa gar Verrat?

Ich meine, nach all den Jahren sollen wir auf einmal freundschaftlich miteinander verkehren? So tun, als würden wir uns mögen?



Nein, nein. Da stimmt etwas nicht. Ganz und gar nicht.

Ich beobachte sie und Frauli ja schon länger.


Manchmal tarne ich mich sogar, damit sie denken ich wäre nicht zu Hause.


Weil, womöglich stecken die zwei unter einer Decke? Vielleicht soll ich mich nur in Sicherheit wiegen und dann schlagen sie zu! Ob sie mich kidnappen und Lösegeld verlangen? Aber von wem?


Ach du meine Güte, am Ende wollen sie mich verkaufen? So eine Prachtkatze wie ich es bin, bringt doch sicherlich eine Menge ein. Schon alleine mein flauschiges Fell mit der äußerst attraktiven Zeichnung. Und erst meine wunderschönen Augen und das entzückende Stupsnäschen. Ja, ich bin schon eine kleine Schönheit. Da muss ich dir rechtgeben, liebes Tagebuch.


Hm, wer könnte mich erwerben wollen? Ein Scheich? Ein Großgrundbesitzer? Ein Millionär? In den Filmen sind es ja immer die absurdesten Gestalten. Ob ich in einen Harem komme? Mit Gold aufgewogen werde?


„Hanni, träumst du? Ich habe dich gefragt, ob du auch Hunger hast?“ Frauli stupst mich an. So kommt sie mir jetzt also daher. Will mich ruhigstellen mit Essen. Oder mit Schlafmittel? Vielleicht bin ich deswegen die letzte Zeit so müde?


„Oh, da ist ja auch die Nanni. Kommt, Essenszeit.“ Widerstrebend erhebe ich mich. Aber es ist einfach zu wichtig, die beiden nicht aus den Augen zu lassen. Aufmerksam beobachte ich jede Bewegung von Frauli. Vom Dosen öffnen bis zum Einfüllen in unsere Schüsselchen.

Keine Auffälligkeiten. Komisch, ich hätte schwören können, heute ist es so weit.


Ich muss mir unbedingt morgen die Fortsetzung meines Krimis ansehen. Vielleicht erfahre ich dann endlich, was sie vorhaben.

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