• roswithazatlokal

30.09.2020


Liebes Tagebuch,


kennst du eigentlich den Ausdruck „antiautoritäre Erziehung“?


Keine Sorge, ich hab auch erst nachschlagen müssen. Da ist grad wieder so ein komischer Beitrag im Fernsehen. Angeblich kommt diese Bewegung aus den sechziger Jahren. Keine Ahnung, was die damit meinen. Aber, und jetzt kommt`s: Die Eltern haben den Kindern freie Entscheidungsgewalt überlassen. Es gab keinerlei Verbote.


Mann, das muss ja super sein! Tun und lassen können wie es mir passt. Alle müssen sich nach mir richten und nicht umgekehrt. Keine Frauli-Regeln, keine Frauli-Zwänge, alles so wie ich – die Miezekatze – es will. Hach, ich bin anscheinend ein bisserl zu spät auf die Welt gekommen.


Stell dir vor, ich mag nicht aufräumen und es macht nichts. Moment, was sagt der Moderator? Oh, es mag dann vielleicht gar niemand aufräumen. Glaub ich nicht. Dafür ist ja dann Frauli da.


Oder das Essen schmeckt mir nicht und ich kriege ohne Murren sofort etwas anderes. Oder ich will jetzt und sofort meine Schmuseeinheiten und Frauli lässt alles stehen und liegen für mich. Da gäbe es echt eine Menge Beispiele dafür. Aber ich glaube, das brauch ich Frauli gar nicht erst vorschlagen. Da beiß ich auf Granit, so streng und gebieterisch wie die ist.


Obwohl, einen Versuch wäre es ja wert. Ob ich ihr einen Artikel darüber ausdrucke und aufs Kopfpolster lege?


„Hanni, Nanni! Frauli ist da!“ Oh, die ist heute aber früh dran. Die doofe Nuss galoppiert natürlich sofort los Richtung Vorzimmer. „Ja, wer hat denn da nix gegessen? Ist es nicht gut? Wollt Ihr etwas anderes? Ja, komm her, du kleine Schmusemaus.“

Gemächlich trotte ich zu den beiden, umschmuse Fraulis Beine.

„Hanni, hast du das Klopapier zerrupft und überall verstreut?“


Na, hab ich es dir nicht gesagt, liebes Tagebuch? Nur am Meckern, die Frau. Da soll sich unsereiner frei entfalten. Dass ich nicht lache!

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