• roswithazatlokal

30.07.2020


Liebes Tagebuch, ich habe heute Fotos von fremden Katzen gefunden. Vielen fremden Katzen. Hier ist der Beweis. Und das sind nur zwei davon.

Nachdem Frauli endlich abgerauscht ist, schmeiße ich den Laptop an und will in dich hineinschreiben. Tja, die Betonung liegt bei will. Ich finde dich nämlich nicht! Hektisch durchforste ich das Innere des Laptops, klicke alles an, was mir unterkommt. Und da finde ich sie: Fotos von fremden Miezekatzen. Ich hole sofort die Nanni, zeige ihr meinen Fund. Sie meint, sie hat diese Miezen hier noch nie gesehen. Gemeinsam durchsuchen wir das ganze Haus. Ob sie auf dem Dachboden wohnen? Das ist der einzige Bereich, der uns nicht zugänglich ist. Hat Frauli eine zweite Katzenfamilie? Oder noch schlimmer: Betreibt sie einen Katzenhandel?

Mal nachdenken: Sie war erst vor Kurzem beim Friseur. Bei der Fußpflege war sie auch. Dann das neue Fahrrad … Ha, jetzt wird mir einiges klar. Sie finanziert sich den ganzen Luxus mit Fremdkatzen. Stellt sich trotzdem die Frage wo sich diese aufhalten. Nanni meint, wir hätten es längst mitbekommen, wenn jemand auf dem Dachboden hausen würde. Auch geht Frauli fast nie hinauf. Und verhungern kann sie ihre Geldquelle doch nicht lassen. Andererseits … sie war vor ein paar Tagen auf dem Dachboden und ich durfte nicht mit hinauf. Hm, echt komisch das Ganze. Gegen den Handel spricht auch, dass Frauli sehr tierlieb ist. Die würde keine Miezekatzen verscherbeln nur damit sie sich die Fußpflege leisten kann. Bleibt also nur die Variante Zweitfamilie. Das hab ich letztens in einem Film gesehen. Der Mann hatte zwei Familien, jede in einer anderen Stadt. Der war nicht so mutig wie Frauli, dass er die einen im Erdgeschoß und die anderen auf dem Dachboden einquartiert hat. Aber die hat doch damit rechnen müssen, dass sie irgendwann einmal auffliegt! Die kann doch nicht wirklich glauben, dass sie einfach damit durchkommt! Na warte, komm du mir nur nach Hause. ************ Frauli kommt heim. Nanni und ich bleiben demonstrativ vor dem Laptop sitzen, die Bilder der Zweitfamilie auf dem Bildschirm. „Hanni, Nanni! Frauli ist da!“ Wir hören ihre Schritte im Erdgeschoß, auf der Treppe. „Oh, da seid ihr ja. Was macht ihr denn?“ Irritiert schaut sie über unsere Köpfe hinweg direkt in die Gesichter ihrer geheimen Miezekatzen. „Oh, ihr habt die alten Bilder gefunden? Das sind Eure Vorgängerinnen. Ach ja, da ist ja auch mein Silvester, der süße Kater.“ Vorgänger? Süßer Kater? Was passiert hier? Leben wir in einem Horrorhaus? „Diese Miezekatzen sind leider alle im Katzenhimmel. Hier Silvester zum Beispiel wurde 19 Jahre alt. Und seine Schwester Woody ebenfalls. Nach Woodys Tod seid ihr zu mir gekommen. Einmal Miezekatzen, immer Miezekatzen.“ Frauli schluckt, drückt uns an sich.

Verwirrt schaue ich Nanni an. Heißt das jetzt, sie hat sie umgebracht? Oder sind die eines natürlichen Todes gestorben? Nanni gibt mir einen Klaps auf den Kopf, schüttelt den Kopf. „Keine Krimis mehr für dich“, zischt sie. „Wieso schaut ihr Euch eigentlich Fotos an? Und wie seid Ihr überhaupt ins Programm hinein gekommen?“ Frauli kennt sich grad gar nicht aus wie es scheint. Ich tätschle ihre Hand, Nanni flüstert ihr zu: „Alles wieder gut.“

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