• roswithazatlokal

30.06.2020


Liebes Tagebuch,

heute ist mir etwas Furchtbares widerfahren. Und dabei hat der Tag so gut angefangen.

Wir haben beschlossen, dass wir das Bad putzen. Und so sind wir mit dem Putzmittel und Tüchern und Bürsten losgezogen, Frauli und ich, und haben losgelegt.

Ich kann dir gar nicht mehr sagen, was da genau das passiert ist. Es ist nämlich so furchtbar schnell gegangen.

Mir tut auf einmal meine Pfote aber so was von weh. ich hab ganz laut gemaunzt vor Schmerz.

Frauli lässt sofort alles liegen und stehen, untersucht mich gründlich. „Kein Blut, keine Verletzung, nicht einmal ein roter Fleck. Scheint nicht schlimm zu sein, Hanni“, ist ihr Urteil. Wie bitte? Scheint nicht schlimm zu sein? Ich hab mich am Fuß verletzt. Ist das nichts?


Selbstverständlich verleihe ich meinem Schmerz dementsprechend Ausdruck, ich weine. Nur weil ich nicht blute, bin ich nicht verletzt? Aber hallo! So geht das nicht. Ganz fest drücke ich mich an Frauli, schluchze und jammere.


Frauli trägt mich hinunter auf die Couch und sagt, ich soll liegenbleiben. Nach einer Weile kommt sie wieder mit einem nassen kalten Tuch, einem trockenen Geschirrtuch und einer Tasse Kaffee. Das nasse Tuch wickelt sie mir um meine Pfote, darüber das trockene Geschirrtuch. Vom Kaffee gibt sie mir nichts ab, den trinkt sie alleine. Vorsichtig nimmt sie mich auf ihren Schoß, schaukelt mich in den Schlaf.


Munter werde ich, weil mir etwas Nasses übers Gesicht fährt. Es ist die Nanni, die mir vorsichtig ein Nasenbussi gibt. Bäh, jetzt schmust die mich auch noch ab! Andererseits ist das eigentlich total lieb. Sie scheint sich Sorgen zu machen.


„Geht’s dir schon besser?“ Frauli schaut mich durchdringend an. Ich bewege meine Pfote. Scheint okay zu sein. Ich will das auch schon kundtun, da fällt mir aber ein, dass ich das ruhig noch ein wenig aushalte, das Bemuttert werden. Ich kneife die Augen ein wenig zusammen, ganz kurz nur, aber lange genug, um den Eindruck zu vermitteln, es tut noch ein bisserl weh, das Haxerl. „Arme Maus, bleib ruhig noch liegen.“ Frauli tätschelt mir den Kopf.


Die Nanni hat mich sofort durchschaut, zeigt mir hinter Fraulis Rücken den Vogel. Ich streck ihr die Zunge raus. Sie reibt auf und gibt mir einen Klaps auf den Hintern. Sofort fang ich an zu weinen, mache Frauli so darauf aufmerksam. „Was ist denn? Nanni, Hanni, streitet ihr?“ Nanni schüttelt den Kopf. Ich nicke. Was glaubt diese blöde Kuh eigentlich, wer sie ist? Na warte! Die hat Glück, dass ich offiziell noch nicht ganz gesund bin, sonst könnte sie jetzt aber was erleben. Ich streck die Zunge raus und ziehe eine Grimasse Richtung Nanni. "Hanni, um Gottes Willen, tut es so weh?" Frauli sieht mich entsetzt an. Nanni schüttelt sprachlos den Kopf, verschwindet wortlos im Garten. Ich lehne mich gegen Fraulis Brust und seufze. "Du armes Ding." Hihi!

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