• roswithazatlokal

30.04.2020


Liebes Tagebuch,

ein riesiges schwarzes Ding liegt auf unserem Fussboden. Ich glaube, ich krieg einen Herzinfarkt. Mit letzter Kraft kraxle ich auf Fraulis Lieblingssessel. Von oben sehe ich, es handelt sich um eine Spinne. Na dann. Vorsichtig schnuffel ich sie an. Hast du eigentlich gewußt, liebes Tagebuch, dass Spinnen total grauslich schmecken? Ich hab einmal eine gekostet, das hätte ich mir sparen können.

Da fällt mir übrigens ein, ich hab noch gar nicht gefrühstückt. Aber ... Mein Schüsserl ist leer! Ob das die Spinne war? Das glaubt Frauli mir nie. Wo ist Frauli überhaupt? Ich finde sie im Garten, locke sie laut miauend in die Wohnung. "Ach ja, dein Futter!" Oh, sie weiß also schon von der Sache mit der gefräßigen Spinne. Erwartungsvoll setze ich mich vor das Küchenkastl mit dem Futter. Aber Frauli steht nur da, zeigt auf die Spinne. "Hanni, tu was. Friss sie. Trag sie raus." Hallo? Was soll ich? Die Spinne fressen? Raustragen? Und im Anschluß vielleicht auch noch meine Dose selber öffnen, oder was? Vorwurfsvoll schaue ich Frauli an. Mein Schüsserl ist leer und die Frühstückszeit um Längen überschritten. Und ICH soll mich um IHRE Spinne kümmern? Ha, träum weiter.

Frauli verschwindet, kommt mit einem langen komischen Besen zurück. "Schau mal, den hätt ich jetzt total vergessen. Das ist ein Spinnenbesen. Damit fangen wir sie und setzen sie draußen ins Gras." Oh, ein Spinnenbesen. Füllt der auch meine leere Schüssel? Schön langsam werde ich echt sauer.


Endlich verstaut Frauli wieder ihren Spinnenbesen. Zufrieden klatscht sie in die Hände und lacht. Ich sag dir, liebes Tagebuch, die ist derart leicht zu erheitern. Und braucht nicht einmal jemand anderen dazu. Aber prima, dass wenigstens eine von uns zufrieden mit ihrem Leben ist! Grantig zeig ich ihr meine - noch immer leere! - Futterschüssel. "Oh ja, gleich. Aber wieso knusperst du nicht einfach ein paar Brekkies, Hanni?" Brekkies zum Frühstück?

Natürlich kommt Nanni genau in diesem Moment von einem ihrer Ausflüge heim. Sie hat im wahrsten Sinne des Wortes ihre Schnauze voll. Stolz legt sie ihr Mitbringsel, eine tote Maus, Frauli vor die Füße. "Nanniiiiii", Frauli seufzt es mehr, als sie es sagt. Wortlos holt sie Mistschaufel und Besen. "Gut, dann entsorge ich jetzt auch noch eine Maus. Ich hab ja sonst nix zu tun den ganzen Tag." Wie wär`s mit füttern?

Endlich krieg ich mein Frühstück. Ich bin derart ausgehungert, esse deswegen viel zu hastig. Der Magen dreht sich mir um, ein Rülpser entweicht meinen Lippen. Nicht nur ein Rülpser, wie ich sogleich feststelle. Ich schnuppere daran. Ja, das ist Futter aus meinem Magen. Iiih, ist das grauslich. Ich maunze und mache Frauli auf mein Malheur aufmerksam. Mit vorwurfsvollem Blick wischt sie es weg. Als ob ich etwas dafür kann, wenn sie mich fast verhungern läßt!

Müde lege ich mich zu Nanni auf unseren Aussichtsturm. Ein kleines Nickerchen tut mir jetzt sicherlich gut. Da fällt mir ein: Rennt da nicht noch irgendwo eine Eidechse bei uns herum? Was soll`s, Frauli wird sie schon finden.

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