• roswithazatlokal

29.10.2020


Liebes Tagebuch,

die doofe Nuss und ich dösen gerade so richtig herrlich, als die Wohnungstür aufgeht und Frauli hereinstürmt.


„Soll ich Euch etwas zeigen?“

Nur, wenn es ein Gutti oder neues Spielzeug ist.

„Na, kommt her. Stellt Euch nicht so an. Schaut doch.“

Die Nanni und ich schauen uns kurz an. „Damit die arme Seele endlich Ruhe hat“, zischt mir die Nanni zu und wir schlendern gemeinsam mit Frauli auf die Couch.

„Passt auf. So etwas Lustiges habt ihr sicherlich schon lange nicht mehr gesehen.“ Frauli wischt auf ihrem Handy herum. „Da.“


Mit einem Satz springt die Nanni unter den Couchtisch. Ich düse aus dem Wohnzimmer, renne hinauf in meine Bettzeuglade.

„Mädels, was ist denn? Die Omi und ich waren beim Arzt. Da ist Maskenpflicht.“

Omi? Hat sie Omi gesagt? Langsam steige ich die Stufen wieder hinunter, schiele vorsichtig ums Eck ins Wohnzimmer.

„Hanni, erkennst du die Omi und dein Frauli nicht mehr?“

Das ist nicht meine Omi. Und du bist das auch nicht.


„Nanni, aber du erkennst uns doch?“

Die Nanni sitzt noch immer unter dem Couchtisch, putzt sich wie wild. Ein Zeichen, dass sie nervös ist. Sehr nervös.

„Schaut einmal genau hin. Kommt her.“ Sie schnappt die Nanni und setzt sie auf ihren Schoß. Hält ihr nochmals das Handy unter die Nase. „Schau doch. Da ist nix zum Fürchten.“ Die Nanni schnuppert am Handy herum, knurrt. „Nanni, erkennst du dein Frauli nicht mehr?“ Die Nanni wehrt sich mit allen Vieren gegen das Festhalten. Frauli setzt sie auf den Boden, schnappt stattdessen mich.


„Siehst du, Hanni? Die Omi und Frauli.“ Ich beginne zu weinen. „Was ist nur los mit Euch?“ Frauli tätschelt mein Köpfchen. "Zwei so Angsthasen. Das hätte ich gar nicht geglaubt von Euch. Also von der Nanni.“ Wieso nur von der doofen Nuss nicht? Was will Frauli mir damit sagen?


Ich bin derart aufgewühlt. Ich kann mich gar nicht beruhigen. Uns so zu erschrecken. Was denkt Frauli sich bei solchen Aktionen eigentlich?

„Wollen wir meditieren?“, frage ich die Nanni.

„Ja, ich glaube, das ist jetzt das Richtige.“


Wir legen uns auf die Couch und ich beginne mit unserem Mediationsgesang. „Maumaumaumau …“

„Schnurrschnurrschnurrschnurr …“, stimmt die Nanni mit ein.

Ich spüre regelrecht, wie sich alle Blockaden lösen. Genauso wie sie es im Fernsehen vorausgesagt haben.

Die doofe Nuss kann natürlich wieder einmal nicht ruhig sitzen bleiben, wippt schwungvoll im Takt mit. Erst beginnt sie ja ganz zaghaft, lässt nur den Kopf von einer Seite zur anderen baumeln. Dann zuckt der ganze Oberkörper im Rhythmus der Melodie und am Ende ist die ganze Miezekatze in Bewegung. Und dabei singt sie „MioooMioooMiooo …“


Letztens hab ich versucht, ihr eine stille Meditation nahe zu bringen, liebes Tagebuch. Natürlich bin ich kläglich gescheitert. Die Nanni ist einfach nicht der Typ dafür.




Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli.


Stell dir vor, ich schieße heut ein total lustiges Foto von meiner Mutter und mir. Beim Heimkommen zeige ich es natürlich sofort den Mädels. Und jetzt wird`s merkwürdig. Die erkennen uns auf dem Foto nicht! Die fürchten sich vor uns! Vor mir! Ist das zu fassen?



Oh, sie beginnen gerade wieder mit ihrem Affenzirkus, sie meditieren. Wenn du mich fragst, liebes Tagebuch, wollen sie damit etwas zum Ausdruck bringen. Wollen mir damit etwas sagen. Ich komm nur nicht dahinter, was.


Ich setz mich zu ihnen, lege meine Beine auf die Couch – Schneidersitz geht zurzeit leider nicht – schließe meine Augen. Inbrünstig singe ich: „Ooh, ooh ooh ooh oo-ooh ooh oo-ooh. Don't worry, be happy. Ooh, …“


Wie ich meine Augen wieder aufmache, sind die beiden Miezen weg. Haben mich alleine zurückgelassen. Gemein, oder?

8 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com