• roswithazatlokal

29.07.2020


Liebes Tagebuch,

es ist eine unerhörte Frechheit von der Nanni, dass sie schon wieder in dich hineingeschrieben hat. Diese blöde Kuh hat gestern meinen kleinen Schwächeanfall schamlos ausgenutzt und sich wieder einmal so was von wichtig gemacht! Und dabei hat alles so harmlos begonnen.


Also, es klingelt an der Tür. Wobei klingeln nicht ganz stimmt, die depperte Türglocke hat einen Ton drauf, die weckt sogar Tote auf. Ich erschrecke und bringe mich so schnell ich kann in Sicherheit. Details möchte ich hier keine verraten, aber wir beide wissen, was das heißt. Ich begebe mich an meinen geheimen Ort, in meinen persönlichen Sicherheitsbereich. Und dort kriech ich unter meine Schmusedecke und warte, dass sich die Lage im Haus wieder beruhigt.


Irgendwie muss ich eingedüselt sein, weil munter werde ich, weil mich wer am Ohrwaschel zupft. Am linken, um genau zu sein. Auf dem rechten liege ich drauf. Kurz überlege ich, ob ich mich tot stellen soll. Man weiß ja nie, wer einen gerade so am Ohr zieht, da muss man schon vorsichtig sein. Nachdem die Zupferei nicht aufhört, versuche ich durch einen schmalen Sehschlitz etwas zu erkennen. Ich öffne also ganz vorsichtig und ganz wenig mein linkes Auge – auf dem rechten liege ich ja drauf und sehe deswegen überhaupt nix. Vage nehme ich eine schmutzigbraune Gestalt wahr. „Der Teufel!“, schießt es mir durch den Kopf und vor Schreck entweicht mir ein zartes Pupserl.


Erstaunt nehme ich den wirklich sehr üblen Geruch wahr. Der Teufel stinkt also wirklich derart unangenehm, wie sie es uns immer in den Filmen erzählen.


Ein Kichern ertönt. Wie Schuppen fällt, es mir von meinem linken Auge: Nicht der Teufel, sondern die kackbraun gestreifte Miezekatze, die gerne meine Schwester wäre, zupft mich die ganze Zeit am Ohr. Und da nicht der Teufel vor mir steht und stinkt, kann nur mein Mini-Pups für den strengen Geruch verantwortlich sein. Beides irgendwie ärgerlich.


Prophylaktisch fauche ich. Nanni kichert. Betont gelassen erhebe ich mich, putze übertrieben langsam meinen Schwanz und überlege wie ich aus dieser peinlichen Situation am besten heraus komme.

„Hanni, Nanni, Abendessen!“ Ha, Frauli hat gespürt, dass ich in der Bredouille bin, lenkt geschickt von mir und meinem Malheur ab.


Mit verächtlichem Blick und hoch erhobenem Haupt kraxle ich aus der Bettzeuglade. Blöd nur, dass ich mehr auf die Nanni als auf meine Haxen achte. Ich verhasple mich beim Rausteigen mit der rechten Hinterpfote in meine Schmusedecke und knalle mit voller Wucht kopfüber auf den Fußboden. „Hahahahahaha!“ Die Nanni kugelt sich vor Lachen. Die dumme Nuss kriegt sich überhaupt nicht mehr ein. Ich fauche sie an, kann aber wegen der Deckenfessel nicht aufstehen.


„Wo bleibt ihr denn? Seid ihr eingeschlafen?“ Frauli steht mit einem Mal vor uns, sieht die Bescherung und kichert. Ich fauche auch sie an. „Entschuldige, Hanni, aber du sieht echt komisch aus.“ Sie beißt sich auf die Lippe und befreit mich aus meinem Gefängnis. „Kommst du jetzt?“ Wieder kichert sie.


Es wäre doch gelacht, wenn mir kein würdevoller Abgang gelänge. Mit hocherhobenem Haupt, beiden – Nanni und Frauli – einen verächtlichen Blick zuwerfend, schreite ich aus dem Schlafzimmer. Und stolpere im Büro über den Teppich. Hinter mir scheint der ganze Raum zu brüllen vor Lachen. Ist das zu fassen? Zwei ausgewachsene Frauen benehmen sich wie kleine Kinder. Die finden das auch noch lustig, das Ganze. Ich meine, ich hätte mir ordentlich weh tun können. Ob du krepierst ist denen so was von egal. Hauptsache, sie haben Spaß. Ich verkrieche mich unterm Schreibtisch, möchte nur mehr sterben.


„Ach komm, Hanni! Das ist doch nicht schlimm. Schau einmal, wie viele blaue Flecken ich auf meinen Haxen habe, weil ich dauernd wo anstoße.“ Frauli hält mir erst den linken dann den rechten Fuß vor die Nase. Und da, siehst du wie mein Ellbogen in allen Farben schimmert?“ So gesehen … Sie hat ja recht, so patschert (kommt das eigentlich von Patschen, also Hausschuh?) wie die bin ich noch lange nicht.


Und weil ich so erschöpft von den gestrigen Erlebnissen bin, hab ich heut den ganzen Tag verschlafen. Vor dem Laptop, auf dem Schreibtischsessel. Also einsatzbereit. Aber eben nicht im Einsatz. Blöd irgendwie.

14 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com