• roswithazatlokal

28.08.2020


Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli.

Stell dir vor, ich spreche mit Tieren. Genauer gesagt, mit meinen Katzen. Ist das nicht irre?

Ich wollte ja in Therapie gehen deswegen, aber am Telefon wimmeln die mich einfach ab. Die beruhigen mich alle, weil sie glauben, ich übertreibe. Sagen, es wäre normal mit seinen Haustieren zu quatschen. Das machen schließlich alle, wieso dann nicht auch ich?

Hm, vielleicht haben die ja recht, die Therapeuten. Vielleicht übertreibe ich ja wirklich. Oder ich bilde mir das alles nur ein. Die Miezen antworten gar nicht wirklich, das ist nur in meinem Kopf. Aber müsste ich dann nicht erst recht in Therapie?

Und wie kommt es, dass ich jetzt in diesem Moment etwas in das Tagebuch meiner Miezekatze hineinschreibe? Auch nur Einbildung? Oder ist es etwa so, dass ich die Verfasserin dieser Einträge bin und es meiner Katze in die Schuhe, äh Pfote, schieben möchte?

Mir ist grad irgendwie gar nicht gut. Ich glaube, ich leg mich ein wenig hin.

Liebes Tagebuch,

ich bin es, die Nanni.

Stell dir vor, ich hab soeben Frauli dabei erwischt, wie es in dich hineinschreibt. Die ist echt so was von grenzenlos. Die hat nicht einmal Respekt vor fremden Tagebüchern. Nicht nur, dass sie dich liest, die macht sogar Einträge! Wer bitte tut denn so etwas?

Das ist mir jetzt echt zu viel. Ich glaube, ich schmeiss mich ein wenig aufs Öhrchen.

Liebes Tagebuch,

ich bin es, die Hanni!

Ich glaube, ich spinne! Nicht nur, dass ich mich ständig über Einträge der doofen Nuss ärgern muss, jetzt kritzelt auch noch Frauli in dich hinein! Die beiden Weiber sind so was von übergriffig! Wenn du mich fragst, eine Frechheit hoch mal drei!

Ich bin sprachlos. Aber das wird ein Nachspiel haben! Meine Nerven … Am besten wird sein, ich leg mich ins Bett.

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