• roswithazatlokal

27.11.2020


Liebes Tagebuch,

mir ist heute ein wenig fad und daher habe ich mir überlegt, mir die Zeit mit Handarbeiten zu vertreiben. Gesagt, getan.


Ich kenne mich ja schon sehr gut damit aus, beobachte ich doch Frauli seit geraumer Zeit beim Häkeln. Sie nimmt den gelben Faden und ein Staberl, ich glaube das Ding heißt Häkelnadel, wurschtelt damit ein wenig herum und voilà, entsteht ein Fetzen mit lauter Löcher drinnen. Angeblich soll das ein Pullover werden. Wer`s glaubt.


Hm, mal schaun. Das riesige Wollknäuel ist mir im Weg, also weg damit. Irgendwo da unten, tief in der Tasche vergraben, liegt sicherlich diese Häkelnadel. Moment, gleich hab ich sie. Nein, das ist der Löcherfetzen. Vielleicht, wenn ich den auch rausräume?

Das ist wieder einmal typisch. Frauli verräumt alles und behindert mich dadurch wo sie nur kann. Aber so schnell gebe ich nicht auf.

Was haben wir denn da? Ein Brief? Nein, das ist der Spickzettel von Frauli. Da schaut sie immer drauf, wenn sie häkelt. Naja, in ihrem Alter merkt man sich halt nicht mehr so viel.

Ah, ich sehe sie! Aber wie soll ich die Häkelnadel und den Faden jetzt zusammenbringen? Brauche ich das Ding überhaupt? Hm, gute Frage.

Am besten, ich wickle mir die Wolle um die Vorderpfote und schieb sie mit der Hinterpfote fest zusammen zu einem Ball. Ja, das sieht schon einmal gut aus. Und jetzt beiß ich noch ganz fest hinein. Bäh, Wolle schmeckt grauslich.


„Juchuh, Mädels, ich bin wieder da!“ Oh Frauli.

„Hanni, was machst du denn?“ Freust du dich? Ich mache bei deinem Pullover weiter.

„Du hast die ganze Wolle vollgeschlatzt.“ Wie vollgeschlatzt?

„Pfui, und zerrupft hast du sie auch.“ Ja, für die Löcher.

„Hach, das kann ich so gar nicht mehr verwenden. Das muss ich abschneiden. Hanni, wieso machst du andauernd so komische Sachen?“ Ich? Es ist doch deine komische Handarbeit.

„Lass bitte meine Sachen in Zukunft in Ruhe.“ Was heißt deine Sachen? Alles in dieser Wohnung gehört auch mir. Aber gut, dann häkle ich halt nicht an deinem Pullover weiter. In deinem Tempo wird der zwar nie fertig. Aber bitte, wenn du dir nicht helfen lassen willst.


Mir ist trotzdem fad. Was könnte ich mir sonst für ein Hobby suchen? Hm, mal überlegen. Oh, ich hab`s. Wir schreiben ja heuer Weihnachtskarten. Das könnte ich doch übernehmen. Schreiben kann ich.


Hm, was könnte ich schreiben? Ha, jetzt weiß ich es.


„Alles Liebe zum Weihnachtsfest. Also ich glaube, dass diese Karte für Weihnachten bestimmt ist. Wäre es eine Geburtstagskarte, wär sicherlich eine Blume vorne drauf. Bei einer Hochzeit auch. Warum sollte man also sonst eine Karte mit einem Stall verschicken? Obwohl … wäre ein Weihnachtsbaum nicht hübscher? Es tut mir leid, dass gerade du diese komische Kartte bekommst. Liebe Grüße, Hanni Zatlokal.“


„Frohe Weihnachten. Es freut mich, dass ich eine so hübsche Karte in all dem Durcheinander gefunden habe. Findest du nicht auch, dass das rotbäckige Kind und der hübsch dekorierte Baum vorzüglich zu Weihnachten passen? Ich muss mich echt selbst loben, die hab ich wirklich gut ausgesucht. Was machst du so über die Feiertage? Wir werden sicherlich gut essen, faulenzen, fernsehen, miteinander schmusen, ... Liebe Grüße, Hanni Zatlokal.“


„Trara, Weihnachten ist da! Schau doch, wie farbenfroh die Karte ist! Und dabei hat sie gar nicht viel gekostet, wie du auf dem Preisschild lesen kannst. Freust du dich auch auf das Christkind? Ich war ganz brav und bekomme sicherlich ganz viele Guttis. Frauli sagt, wenn man sich bemüht, dann bringt das Christkind alles, was man sich wünscht. Ich weiß nicht so recht, ob ich das glauben soll. Oder glaubst du, dass das Christkind die Nanni mitnimmt und bei einer anderen Familie unterbringt? Liebe Grüße, Hanni Zatlokal.“


So, jetzt bin ich müde. Ich schreibe morgen weiter, liebes Tagebuch. Das macht echt Spaß.


Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli.

Stell dir vor, ich finde auf meinem Schreibtisch Weihnachtskarten. Geschrieben von der Hanni. Ich meine von Hanni, meiner Katze. Bin ich schon total verrückt?

Dass die Hanni mit dem Laptop umgehen kann, weiß ich ja. Aber dass sie jetzt auch Grußkarten mit der Hand, äh Pfote, schreibt?

Am besten, ich lasse alles so liegen. Es fehlen ja noch die Kuverts. An wen sie die Karten wohl schickt?

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