• roswithazatlokal

23.11.2020

Aktualisiert: 24. Nov 2020


Liebes Tagebuch,

heute gibt es leckeren Lachs zum Essen.


Ich liebe Lachs. Und Frauli auch. Zum Glück. Dass die Nanni ihn auch mag finde ich eher ärgerlich, muss ich doch deswegen mein Abendessen mit ihr teilen. Man hat es wirklich nicht immer leicht im Leben.


Na, jedenfalls richtet uns Frauli alles sehr dekorativ und liebevoll her, das muss man ihr wirklich lassen. Da wird nicht herumgeschludert. Und es wird auf ausgewogene Ernährung geachtet. Das heißt, wir müssen auch das Gemüse und die Erdapferl essen. Da kennt Frauli nix. Heute gibt es Karotten. Die sind voll gesund. Und gut für die Augen. Oder hast du schon einmal einen Hasen mit Augengläser gesehen? Hahaha! Gut, das Witzerl, oder? Den hat mir letztens der Bertl erzählt.


Wir mampfen also total einträchtig, die doofe Nuss und ich, und hoffen auf Nachschub. Dem ist aber leider nicht so. Frauli futtert ihren Anteil ratzeputz weg. Sieht ihr wieder einmal ähnlich. Bei mir meckert sie wegen der Größe der Portionen, aber selbst … Ohne Worte.


Ha, die Nanni ist fertig mit essen. Toll! Bleibt der Rest mir. Oh, ich sollte vorher noch dringend aufs Klo, sonst kann ich nicht entspannt essen. Kennst du das, liebes Tagebuch? Du musst schon ganz dringend und dann kommt dir aber etwas Schönes dazwischen? Ein Schmuserli von Frauli oder ein Leckerli oder eben Lachs mit Gemüse. Da möchte man nicht extra unterbrechen und rausrennen. Da denkt man sich, dass man das schon noch ein bisserl aushält. Und dann steht man mit eingekniffenem Schwanz oder verschränkten Haxen vor der Futterschüssel und kann das alles gar nicht richtig genießen.


Hab ich dir schon einmal erzählt, dass wir abends gemeinsam mit Frauli im Wohnzimmer essen? Eigentlich ist das ja nichts Besonderes. Ich kenne nur sehr wenige Familien, die nicht gemeinsam essen. Wobei wir dabei nicht auf den Tisch rauf dürfen. Das heißt, wir, das niedere Volk, essen zu Fraulis Füßen. Eine Diskriminierung schlechthin. Aber mach ihr das einmal klar! Die hat da kein Einsehen oder Rechtsbewusstsein. Die behauptet felsenfest, Miezekatzen haben auf dem Tisch nix verloren. Pfff! Ja, wo leben wir denn? Im vorigen Jahrhundert?


Ich steh also im Wohnzimmer vor meinem Teller, der Schweiß rinnt mir hinunter vor lauter Zurückhalten. Der Bauch grummelt, die Blase schmerzt. Es hilft nix, es muss sein.


Wie ich wieder herein komme denk ich mir noch, irgendetwas ist anders. Hm, aber was? Ich komm nicht gleich drauf. Bis ... Ha, Frauli hat doch tatsächlich meine Essensreste weggeräumt!


Sie selbst hockt noch beim Esstisch und kuschelt mit der doofen Nuss. Und gerade wie ich mich enttäuscht auf den Holzstoß legen will, sehe ich es: Mein Teller steht auf dem Tisch, mein Erdapferl und meine Karotte liegen noch genauso unberührt da, wie ich sie verlassen habe.

Welch ein Glück! Ich springe auf den Tisch und entsorge den Rest in meinen Magen. Ich meine, wo kommen wir denn da hin, wenn wir gute Lebensmittel in den Müll schmeißen? Pfff!

„Hanni! Runter vom Tisch!“ Gleich, ich esse nur schnell fertig. „Hanni!!!“ Ja, sofort. „Hanni!!!“

„Ja, verdammt! Schrei nicht schon wieder mit mir! Du kannst doch nicht einfach mein Essen wegräumen! Ich bin`s ja gleich!“ Hat die noch nie etwas davon gehört, dass man langsam essen und gut kauen soll? Kein Wunder, dass sie Probleme mit ihrer Verdauung hat.

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