• roswithazatlokal

24.06.2020


Liebes Tagebuch,

schau dir das an! Das kann doch nicht wahr sein! Schau, was die macht! Wer? Na, die Nanni natürlich!


Die spielt schon wieder mit meinen Spielsachen. Ich mein, hallo, geht’s noch? Das sind MEINE Spielsachen. Auch wenn Frauli immer sagt: „Schaut einmal, was ich Euch mitgebracht hab.“ Die sagt das doch nur, damit die Nanni nicht gleich losflennt. Wer bitteschön will denn eine flennende gestreifte Katze im Haus haben? Eben.


Die Nanni soll gefälligst draußen bleiben. Da hat sie Mäuse, Käfer, Vögel, Blumen und was weiß ich, was nicht noch alles. Unsereiner hockt hier herinnen und erfreut sich an den Kleinigkeiten des Lebens. Den Spielsachen. Und da kann es dann ja wohl nicht sein, dass da die eigene Schwester hereinkommt und mit den Spielsachen spielt, die sie gar nix angehen. Ja, wo kommen wir denn da hin, wenn das eine jede Miezekatze macht?


Erinnerst du dich noch an den schwarzen Miezekater, liebes Tagebuch? Der ist auch immer hereingekommen und hat mit meinen Sachen gespielt. Ganz so, als wäre das total normal. Ist es aber nicht.


Ich glaube, ich kriege Migräne. Das ist ganz schlimmes Kopfweh. Das haben sie gestern im Wissenschaftsmagazin erklärt. Da wird einem schlecht, man muss sich übergeben. Da soll man sofort die Räume verdunkeln und ganz ruhig liegen mit einem feuchten Wachlappen auf der Stirn. Wo, zum Teufel noch einmal, krieg ich jetzt einen feuchten Waschlappen her? Und was ist das überhaupt, ein feuchter Waschlappen?


Ich reg mich viel zu viel auf. Das schlagt sich sicher wieder auf meinen Magen. Und da soll man kein Geschwür bekommen. Das geht ja gar nicht anders. Meine Verdauung ist sowieso schon im Arsch. Hihi! Im Arsch. Die Verdauung. Du verstehst, liebes Tagebuch? Verdauung – Arsch?


Ojegerl, ich hab`s ja gewusst. Jetzt ist es so weit. Meine Nase trocknet aus. Die Augen tränen auch schon. Ich hab bestimmt Fieber. Können Katzen eigentlich Corona kriegen? Um Gottes Willen, das hat mir gerade noch gefehlt. Deswegen bekomm ich nicht richtig Luft! Wo zum Teufel ist Frauli, wenn man sie braucht? Ich verrecke hier und sie ist arbeiten. Das ist wieder einmal so was von typisch. Anstatt dass sie mich hier gleich testet, hockt sie lieber in der Arbeit herum.


Hoffentlich kommt Frauli bald heim, damit sie mir die Wohnung verdunkelt. Ich glaub, ich leg mich in meine Bettzeuglade. Wenn ich schon sterben muss, dann kann das auch genauso gut in einer mir angenehmen Umgebung sein. Da sehe ich wenigstens die blöde Nanni nicht.


Oh, die Tür. Frauli.


„Hanni, Nanni. Wo sind denn meine Süßen?“ Hier. Ich bin hier. Ich vegetiere in meiner Lade vor mich hin. Unfähig mich zu bewegen. Leise krächzend kommt meine Antwort. Ob sie mich hört? Die blöde Nanni ist sicher schon im Vorzimmer. Und ich sterbe hier ganz alleine.


„Hanni, wo bist du denn? Ich hab leckeren Schinken für Euch.“ Schinken? „Na, wo ist die kleine Maus?“ Schinken? Wieso Schinken? Hat wer Geburtstag? Ich komme!!!

12 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com