• roswithazatlokal

24.04.2020

Aktualisiert: Mai 10


Liebes Tagebuch,

gestern habe ich dir ja von den Vorteilen unseres Homeoffice erzählt. Aber bekannterweise hat ja alles seine zwei Seiten. Und deswegen schildere ich dir heute die unangenehme Seite dieser neuen Lebensform.

Es ist noch gar nicht so lange her, da liege ich gemütlich auf dem Wohnzimmerteppich und zähle in Gedanken Leckerlis. Das solltest du einmal ausprobieren, das hilft total gut beim Einschlafen. Durch lautes Gepolter aufgeschreckt, entdecke ich knapp neben meinem Schwanz eine Leiter. Frohnatur, die ich nun einmal bin, nehme ich die Spielherausforderung an. Begeistert hüpfe ich zwischen Fraulis Beine. Ich quieke mehr als ich miaue, so aufgeregt bin ich. Mein Schwanz zittert vor Anspannung, meine Schnurrhaare vibrieren …

Ich sag dir, Frauli ist so eine Spielverderberin! Auf die Leiter mit hinauf darf ich nicht. Begründung: Ich bin im Weg. Unten warten darf ich auch nicht. Begründung: Frauli könnte mich niedertrampeln. Ich bin echt so was von angeschissen. Das sagt man doch, wenn man viel mehr als böse ist, oder?

Mir bleibt nichts anderes übrig, als klein beizugeben. Habe ich übrigens schon einmal erwähnt, dass sie das ganze Futter hat?

Seufzend mache ich mich also auf die Suche nach einem neuen Schlafplatz. Ich werde auch fündig und deponiere guter Dinge mein Hinterteil zwischen die Blumen im großen Blumentopf. Zufrieden schließe ich meine Äuglein und mache da weiter, wobei ich vorhin so unsanft gestört wurde: Beim Leckerli zählen. Kaum, dass ich das erste Sackerl leergezählt habe, packen mich zwei Hände und setzen mich schimpfend auf einen Sessel. Ein Feingefühl hat die manches Mal ...

Lustlos sehe ich mich um. Bügelwäsche und Socken. Darf man eigentlich eine Katze ungestraft zur Mithilfe im Haushalt zwingen? Ich werde das einmal bei Ecosia nachschlagen. Du hast noch nie etwas von Ecosia gehört, liebes Tagebuch? Die Ecosianer pflanzen jedes Mal, wenn du bei denen im Internet herumstöberst, einen Mini-Baum. Ist das nicht eine tolle Idee? Ich kanns gar nicht erwarten, bis meine Bäume riesengroß und megadick sind. Stell dir vor, dann kraxle ich auf meinen eigenen Bäumen herum, schärfe meine Krallen an der hauseigenen Rinde. Hihi, alleine bei der Vorstellung fahren meine Krallen ganz von alleine aus.


Während ich also die Socken sortiere und zusammenlege, sehe ich aus den Augenwinkeln, dass Frauli wie eine wildgewordene Hummel alle Vorhänge von den Fenstern zerrt. Ächzend schleppt sie schließlich die Leiter die Stufen hoch, krallt sich auch dort alles, was vor den Fenstern herumhängt. Und das in einem Tempo, dass mir ganz schwummerig wird.

Schließlich verschwindet sie im Bad. Neugierig luge ich um die Ecke und beobachte, wie Frauli einen Teil der Vorhänge in die Waschmaschine stopft. Nanni verdonnert sie dazu, die Waschmaschine nicht aus den Augen zu lassen. Naja, wenn du mich fragst, gibt es Schlimmeres, als auf einem Berg Stoff zu dösen. Es scheint sogar irgendwie meditativ zu sein, wenn ich mir die Nanni so ansehe.

Sobald die Waschmaschine etwas ausspuckt, rafft Frauli alles an sich und rennt damit zu einem Fenster. Natürlich nicht, ohne vorher die Waschmaschine neu zu befüllen.

Bei uns duftet es echt voll gut. So nach Frühling und Sonnenschein. Herrlich! Während ich mich noch im Rausch der Sinne befinde, sprich tief ein- und ausatme, um in vollen Zügen diese Aromen zu genießen, klettert Frauli emsig mit den frisch gewaschenen Teilen auf die Leiter. Mit lautem Ächzen und Stöhnen befestigt sie alles an seinem angestammten Platz. Das Runternehmen sah ehrlich gesagt um etliches lustiger aus. Das hier dagegen mutiert zur reinsten Plackerei, das reinste Martyrium, wenn du mich fragst. Diese Menschen .... *kopfschüttel*.

Aber, man höre und staune, ich darf mithelfen. Es wird mir erlaubt, auf dem Fensterbrett zu sitzen und die Arbeitsschritte zu kontrollieren. Großzügig, oder?

Ich hoffe, du hast bemerkt, dass die letzte Aussage sarkastisch gemeint ist, liebes Tagebuch. Jawohl, sarkastisch. Das habe ich von Herrn Dr. Sheldon Cooper. Den schaue ich immer im Fernsehen. Der sagt lauter gescheite Sachen. Von dem lerne ich sehr viel, ehrlich.

So, das wars für heute. Frauli will zum Laptop. Angeblich etwas Wichtiges. Ich will aber noch schnell wegen der Katzenrechte go... äh … ecosien. So viel Zeit wird ja wohl noch sein. Nein, nicht? Mist!


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