• roswithazatlokal

23.12.2020


Liebes Tagebuch,

Frauli ist irgendwie aufgeregt heute.

Sie huscht durch die Gegend, schleppt buntes Einwickelpapier und glitzernde Bänder durch die Gegend und trällert ständig ein und das selbe Weihnachtslied (Jingle Bells). Sehr bedenklich das alles, wenn du mich fragst.


Ich versuche natürlich zu helfen wo ich nur kann, werde aber ständig auf die Seite geschuppst.

„Hanni, lass das!“ – „Hanni, bitte!“ – „Hanni, nicht!“


Beleidigt verziehe ich mich ins Schlafzimmer. Oh, was sehe ich denn da? Frauli hat sich umgezogen und ihre Sachen auf dem Bett liegen gelassen. Mal schauen, was wir da alles haben. Mh, ihr Unterleiberl. Wie das duftet. Nach Frühling und nach Frauli.


Tief versenke ich meine Nase in das Leiberl. Hach, ich liebe diese Mischung von Frauli und ihrem Parfum. Ob sie mir etwas davon borgt? Vom Parfum meine ich. Das riecht so fruchtig, frisch und blumig. Wie der pure Frühling. Haaach!


„Hanni, was machst du denn da? Du ziehst mir ja lauter Fäden!“ Frauli steht vor mir und schaut mich streng mit gerunzelter Stirn an. Kann es sein, dass die Runzeln mehr geworden sind? Kriege ich mit dem Alter auch so etwas? Ob ich sie fragen soll?


„Hanni, komm, du darfst mir helfen beim Papier wegräumen. Das macht dir sicher Spaß.“ Frauli hebt mich hoch und trägt mich ins Erdgeschoß. Sie setzt mich vor einen Haufen Papierfuzzeln und sieht mich erwartuungsvoll an. „Na, was sagst du?“ Zu deiner wieder erglätteten Stirn? Ich öffne schon mein Schnäuzchen, da kommt sie mir zuvor.

„Schau nur, Papierli.“ Frauli nimmt ein Stück Papier und fuchtelt mir damit vor der Nase herum. Papierli? Wo hat die nur diese Ausdrücke her? So redet doch kein normaler Mensch!

„Guck mal, ein Glitzerband!“ Frauli schlingert damit vor mir auf dem Fußboden hin und her. Was erwartet sich diese Frau eigentlich von mir?


„Oh, Papier! Oh, Bänder!“, kreischt Nanni entzückt, die gerade bei der Katzenklappe hereinhuscht. Kichernd versucht sie das Band in Fraulis Hand zu fangen, springt dabei begeistert von einem Papierhaufen zum nächsten.


Ach so, Frauli wollte mit mir spielen! Ja, warum hat sie das denn nicht gleich gesagt? Verstehe einer die Menschen. Ich reisse Frauli das Band aus der Hand und setze mich drauf.

„Hanni“, kichert Frauli. „Gib uns das Band.“ Nein, ich hab es gefangen und jetzt gehört es mir. „Komm Hanni, wir spielen weiter“, versucht Frauli mir das Band zu entlocken. „Hanni, das Band.“ Nö, das hab ich gefangen. „Hanni, …“


Seufzend schneidet Frauli von einem großen Knäuel Geschenkband ein neues Stück herunter.

„Du bist so eine Spaßbremse zeitweise.“ Ich? Wieso denn? Ich hab die Regeln doch nicht gemacht. Ich hab das Band gefangen und deswegen gehört es mir. Frauli ist so eine derart schlechte Verliererin. Vielleicht sollte ich sie einmal darauf hinweisen. Aber erst nachdem ich das mit den Stirnfalten mit ihr geklärt habe.

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