• roswithazatlokal

23.10.2020

Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli.


Du weißt ja, ich bin zurzeit ein bisserl gehandicapt. Das heißt, ich brauche für alles ein wenig länger, agiere umständlicher, bräuchte gelegentlich eine dritte Hand. Zwei Krücken und ein Kaffeehäferl sind da schon eine Herausforderung. Sogar auf einer Krücke humpelnd ist es nicht immer einfach, den Kaffee sicher zu transportieren.


Wie jeden Tag, richte ich mir in mühevoller Kleinarbeit alles her für meine private Mittagspause. Deponiere neben meinem Lieblingssessel meinen Kaffee, richte mir mein I-Pad zum Zeitunglesen her. Dann noch schnell aufs Klo gehumpelt und schon kann es losgehen. So der Plan.


Gut, dann halt nicht. Dann leg ich mich halt auf die Couch. Füße hochlegen geht ja auch hier. Ich trage also humpelnd sowohl das Kaffeehäferl als auch das I-Pad hinüber zum Couchtisch. Damit ich es auch kuschelig warm habe beim Lesen, lege ich noch schnell etwas Holz nach. Ich drehe mich um und was sehe ich da?


Na schön, dann lege ich mich halt hinauf ins Schlafzimmer. Ist vielleicht sogar bequemer für mich. Ich humple mit meinem Kaffee in die Küche, fülle ihn in eine Flasche um und packe ihn mitsamt I-Pad in einen Rucksack. So ausgerüstet besteige ich mit Hilfe meiner Krücken meinen Mount Everest, sprich die Stiege ins obere Stockwerk. Doch kaum im Schlafzimmer angekommen, trifft mich fast der Schlag.

Wie ist die denn so schnell herauf gekommen?


Hm, was tun? Mich hier mit einer nervigen Miezekatze abplagen oder wortlos umdrehen und flüchten? Ich entscheide mich für die Flucht. Mit ein wenig Glück hat sie mich nicht gesehen.


Der Abstieg erweist sich als holprig, weil ich mich andauernd umdrehe, um nachzusehen, ob ich verfolgt werde. Fast wäre ich abgestürzt.


Endlich im Wohnzimmer angekommen, stelle ich freudig fest, dass ich alleine bin. Alleine mit meinem Sessel und meiner Couch. Sessel oder Couch? Wer die Wahl hat, hat die Qual. Letztendlich entscheide ich mich für die Couch. Ich stelle meine Kaffeeflasche auf den Couchtisch, deponiere mein I-Pad in Reichweite und lasse mich genüsslich niedersinken. Hach, endlich Ruhe und Frieden. Endlich Zeitung lesen, Kaffee trinken, entspannen.


Da höre ich laute Tapser die Treppe herunterstürmen – Hanni. Die Katzenklappe wird aufgeschmettert, dass mir die Ohren wackeln – Nanni. Beide rasen auf mich zu. Die Nanni setzt zum Sprung an, fliegt durch die Luft und landet punktgenau auf meinem Schoß. Hanni verpasst mich um eine hundertstel Sekunde. Sie zieht eine Schnute und legt sich zu meinen Füßen hin.

Hach, endlich Zeitung lesen, Kaffee trinken und Seele baumeln lassen. Was gibt es Schöneres?

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