• roswithazatlokal

23.06.2020


Liebes Tagebuch,

stell dir vor, wir haben von Global 2000 eine Auszeichnung bekommen! Für unseren Mini-Garten! Ist das nicht schön?


Frauli und ich hegen und pflegen ja unseren kleinen verwilderten Garten dergestalt (hihi, das Wort hab ich im gestrigen Film gehört), dass er verwildern darf. Wir mähen zwischen den Blumen und Wildpflanzen ganz wuzzi-kleine Wege, lassen so viele Pflanzen stehen wie möglich. Sogar die Heuschrecken freuen sich über unsere Blumen, weil da können sie super darauf herumspringen. Ohne hohe Pflanzen geht das nämlich nicht. Das weiß ich von der Biene Maja.


Im Frühling kommen immer die Gärtner zu uns. Die vertikutieren den Rasen, stutzen die Sträucher und schnipseln alles weg, was nicht in einem „normalen“ Garten sein soll. Da schaut unser kleiner Garten dann immer aus wie geleckt. Ganz fremd ist er uns dann, dem Frauli und mir. "Aber", so sagt Frauli immer, "das Zurückstutzen ist ganz wichtig für die Pflanzen. Dann gedeihen sie noch besser und schöner." Und ich muss sagen, bisher war das wirklich so.


Hast du eigentlich gewusst, dass es so etwas wie Unkraut gar nicht gibt, liebes Tagebuch? Das hat mir Frauli erzählt. Und die muss es ja wissen, denn bei uns darf ja alles sein. Und Unkraut hab ich noch nie hier gesehen. Ich weiß eigentlich gar nicht, wie so was ausschaut, so ein Unkraut *grübel*. Das ist sicher etwas ganz was Seltenes. Na, vielleicht zeigen sie es einmal im Fernsehen in einer Wissenschaftssendung oder so, damit ich das auch einmal kennenlerne.


Unsere Weintrauben wuchern heuer ganz arg in der Gegend herum. Da kriegen wir sicher ganz viele leckere Trauben. Falls die Vogerl die meisten nicht wieder wegfressen, die kleinen Racker. Von mir aus könnten sie ja alle haben, ich mach mir nämlich nix aus Trauben. Aber Frauli ist da nicht so großzügig wie ich.


Frauli schaut gerade im Vorgarten nach dem Rechten. Da darf ich aber nicht mit hinaus wegen der Autos. Ich beobachte sie vom Küchenfenster aus und gebe ihr Tipps, was sie zu tun hat. Alleine ist die so was von aufgeschmissen, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Keine Ahnung, wie die das früher gemacht hat.


Unser Vorgarten ist ein bisserl ein Kuddelmuddel-Garten. Ganz viele verschiedene Blumen in ganz verschiedenen Größen. Verblühte und blühende. Im Blumenbeet und neben dem Blumenbeet. Also auch auf dem Weg. Und ganz viele Sonnenblumen wachsen da.


Frauli füttert die Vogerl, wenn sie schon draußen ist und spritzt den Futterplatz der Igerl mit dem Wassereschlauch sauber. Wie du weißt, kacken die ja ständig alles an. Richtige Schweindln sind das. So eine Sauerei würde einer Miezekatze nicht einmal im Traum einfallen.


Endlich knotzen wir uns auf die Liege und erholen uns von den Strapazen. Wobei ich mich frage, wovon sich die Nanni wohl ausruht. Die hat ja gar nicht mitgeholfen bei der Gartenarbeit. Liegt da und spielt auf erschöpfte Katze. So ein Luder, aber auch.


Unsere Liege steht unter einem Blätterdach, mitten zwischen Mohn- und Kornblumen, hinter uns blüht ein kleiner pinkfarbiger Rosenstrauch. Total romantisch ist das, liebes Tagebuch.

Da fällt mir ein, dass die Farbe Pink heute ja eine ganz eine besondere Bedeutung hat. Heute ist doch der PINK-DAY. Pink steht für Brustkrebs. Das kenne ich alles von Facebook von "Claudias Cancer Challenge". Dass wir sogar einen ganzen Rosenstrauch in der Farbe haben, finde ich total schön.


Aber holla, da geht es ja richtig rund über unseren Köpfen! Da hopsen ganz viele Vogerl geschäftig zwischen den Zweigerln herum und zwitschern und singen, dass es nur so eine Freude ist. Seit Neuestem zwitschere ich ja ein bisserl mit. Schön langsam hab ich den Bogen raus, glaub ich. Wenn ich weiter so brav übe, kann ich bald voll mit denen mitreden. Darauf freu ich mich echt schon. Im Fernsehen sagen sie ja immer, dass man mindestens eine Fremdsprache lernen soll. Das erweitert nicht nur den Horizont – was immer das auch ist – sondern ist auch noch völkerverbindend. Also in meinem Fall verbindet es das Vogelvolk und das Miezekatzenvolk. Ein schöner Gedanke irgendwie.

Wieso mich die Nanni auslacht, wenn ich mitzwitschere, versteh ich jetzt zwar nicht ganz, aber ich glaub, die ist nur neidig auf mich und mein Sprachtalent.

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