• roswithazatlokal

22.04.2020

Aktualisiert: Mai 10


Also das Schreiben ist echt anstrengend, liebes Tagebuch. Und dabei gibt es noch so viel zu erzählen.

Warum es anstrengend ist? Weil ich immer darauf warten muss bis SIE den Laptop aufdreht. Und dann darf ich ihn auch nur während ihrer Pausen benutzen. Ungerecht, findest du nicht auch? Ich meine, was schreibt die denn schon Großartiges? Ich bin ständig am Ausbessern, so mies sind ihre Geschichten. Zurzeit tüftelt sie an einem Roman. Ob der jemals fertig wird bezweifle ich stark. Würde ich nicht ständig ihr Geschreibsel korrigieren, brächte sie nicht eine einzige Geschichte irgendwo unter. Und diese ständigen Klopausen, die sie macht. Und dauernd kocht sie Kaffe, wenn sie am Schreiben ist. In der Zeit hätte ich schon mehrere Kapitel meines Tagebuches fertig, sag ich dir.

Ich bin derart vertieft ins Schreiben, dass ich die Klospülung überhöre. "Hanni, was machst du denn schon wieder? Wie oft soll ich dir noch sagen, dass du nicht an Fraulis Laptop darfst!" Und mein Tagebuch schreibt sich von selber, oder wie? Sie grummelt irgendwas von "das kann ich jetzt in den Papierkorb schmeißen" und verscheucht mich vom Tisch. Ich werde hier derart in meinen Katzenrechten verletzt, aber kümmert das irgendwen? Natürlich nicht. Ich habe übrigens im Mistkübel nachgesehen, da ist nix drinnen. Komisch, oder? Von wegen wegschmeissen, die benutzt meine Sachen und gibt sie als die ihren aus. So schauts aus, wenn du mich fragst. Die glaubt, ich bin blöd.

Kurzentschlossen beschließe ich, ein wenig sauber zu machen. Fraulis Sachen sind wie immer auf dem ganzen Bett verstreut. Weißt du, liebes Tagebuch, wenn ich hier nicht ständig am Aufräumen wäre, der reinste Saustall wäre das hier. Aber dafür gibt es natürlich auch kein Lob. Da wird nur herumgekreischt wegen "gezogener Fäden und Pfotenabdrücken auf dem schönen Kleid". Wenn die so weitermacht .... Ich verzieh mich in die Bettzeuglade. Da hab ich wenigstens meine Ruh.

Ah, ich höre das Badewasser. Das ist gut. Sobald sie nämlich in der Wanne liegt, ist sie ein anderer Mensch. Ich spaziere ins Bad und flötze mich hoch droben auf der Waschmaschine in die Handtuchbox. Es ist hier kuschelig weich und vor allem sicher. Frauli und ich genießen gemeinsam den Duft des Badeöls und lauschen dem Hörbuch, einer Komödie. Tiefentspannt dösen wir vor uns hin. Schließlich steigt Frauli aus der Wanne, trocknet sich ab. Aufgeregt wusel ich zwischen ihren Beinen herum, flehe sie an, schneller zu machen. Endlich bin ich dran! Mit dem angefeuchteten flauschigen Badetuch rubbelt sie mir ganz doll übers Fell - ich liebe das - und kuschelt mich zum Schluß mollig warm darin ein. Das ist soooo schön. Da verzeih ich ihr sogar die unnötige Kepplerei von vorhin.


Und was macht die doofe Nanni den ganzen Tag? Die sitzt seit Stunden auf unserem Ausguck und beobachtet die Vögel im Garten. Pfff, die lernt`s nie!


0 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com