• roswithazatlokal

21.12.2020


Liebes Tagebuch,

ich muss dir unbedingt erzählen, was sich die Nanni heute wieder erlaubt hat. Wenn ich nur daran denke ...


Frauli kommt mit ganz vielen Leckerlis heim und befüllt damit ihr Leckerli-Versteck. Wie sie damals damit angetanzt ist, hab ich natürlich sofort den Dreh rausgehabt. Ich bin ja nicht blöd. Anstupsen, warten bis Leckerlis herausfallen, fressen, anstupsen, … So viel zum Leckerlis verstecken vor der Katze. Hihi!


Ich schlag mir also genüsslich mein Bäuchlein voll bis ich nicht mehr kann. Um alles in Ruhe zu verdauen, lege ich mich im Bad auf meinen Lieblingsplatz und beobachte vom Fenster aus die Vogerl bei unserem Futterhaus.

Ein Rumpeln, Rattern, Schmatzen und wohliges Gegrummel in der Küche reisst mich aus meiner Idylle. Wie der Blitz saus ich die Stufen hinunter um nach dem Rechten zu sehen. Und was glaubst, wen ertappe ich da? Drei Mal darfst du raten. Genau! Die doofe Nuss, die mir mein Leckerli-Versteck leer frisst. Diese blöde Kuh!

„He, was machst du da? Das sind meine Guttis!“, brülle ich sie an.

„Sagt wer?“, kontert sie mit einem derart unverschämten Grinser auf dem braungestreiften Gesicht, dass ich ihr am liebsten gleich eine runter hauen würde.

„Ich!“

„Hahaha!“

„Na warte, du …“


„Hanni, Nanni, streitet Ihr?“ Frauli steht hinter uns. „Ich glaube, es ist genug für alle da. Außerdem hast du schon welche gehabt, Hanni. Sei nicht immer so neidig.“

Wie bitte? Ich und neidig? Ich? Ha, wenn hier wer neidig ist, dann doch wohl diese kackbraune Miezekatze, die hier in unserer Küche hockt und so tut, als wäre sie mit mir verwandt.

„Ich hab noch genug Leckerlis. Keine Sorge, niemand kommt zu kurz“, versucht Frauli mich zu beruhigen.

„Pfff!“ Grantig drehe ich mich um und gehe wieder nach oben. Ich fass es nicht. Anstatt mir zu helfen, stellt sich Frauli auf die Seite von der Nanni. Ich mein, was muss diese Katze noch alles tun, damit Frauli sie endlich rausschmeißt? Schimpfend lege ich mich wieder auf meinen Platz.


„Hihi, du kleiner Lauser!“

Was war das? Erschrocken fahre ich hoch.

„Na, komm nur. Hahaha!“

In unserem Wohnzimmer scheint es ganz schön rund zu gehen. Vorsichtig schleiche ich die Treppe hinunter, blinzle mit einem Auge ums Eck. Die doofe Nuss tut meinem Flamingo Gewalt an!





„Was machst du mit meinem Flamingo? Spinnst du jetzt total? Hast du keine eigenen Sachen? Du tust ihm weh!“ Ich kreische so laut, dass Frauli, die gerade im Garten draußen die Vögel füttert, alles stehen und liegen lässt und ins Wohnzimmer stürmt.

„Hanni, hast du dir weh getan? Warum schreist du so?“

„Schau, was die doofe Nuss mit meinem Flamingo macht. Lass ihn sofort los.“ Aufgeregt hüpfe ich auf und ab, versuche der Nanni den Flamingo zu entreissen.

„Hanni“, Frauli hebt mich hoch, grault mich hinterm Ohr. „Hanni, beruhige dich. Der Flamingo gehört ja eh dir. Die Nanni hat ihn sich nur ausgeborgt.“

„Ohne mich zu fragen?“ Ich strample mich frei, plumpse hart auf den Boden. „Aua!“

„Hanni, jetzt stell dich doch nicht so an. Das ist halt unter Geschwistern so.“

„Welche Geschwister? Und was würdest du sagen, wenn dein Bruder mit deinem Flamingo spielen würde?“

„Äh, ich besitze leider keinen Flamingo. Aber ich glaube, ich würde Walter mit Sicherheit dabei fotografieren." Frauli kichert. "Stell dir vor, ein 65jähriger Mann kugelt mit einem rosafarbenen Stoffflamingo auf dem Boden herum. Hahaha! Vielleicht sollte ich ihm einen schenken. Hahaha!“


„Sehr witzig!“ Ich schnappe der doofen Nuss meinen Flamingo unter den Pfoten weg und renne mit ihm so schnell ich kann hinauf ins Schlafzimmer. Gemeinsam springen wir in die Bettzeuglade und verstecken uns unter meiner Schmusedecke. Vorsichtig putze ich ihn ab.

„Armer Flamingo, du riechst total nach dieser bösen braunen Miezekatze. Bis ich das wieder weggeknuddelt habe, das dauert jetzt aber eine Weile“, tröste ich ihn. „Aber das kriegen wir schon wieder hin.“ Fest drücke ich ihn an mich und gemeinsam schlafen wir irgendwann ein.

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