• roswithazatlokal

21.11.2020


Liebes Tagebuch,


ich bin Frauli auf die Schliche gekommen. Die glaubt wohl, ihre Miezekatze – also ich – ist blöd. Kriegt nix mit. Kann man beschummeln. Übers Haxl hauen. Für dumm verkaufen.


Aber nicht mit mir. Ich bin gerade noch rechtzeitig nach Hause gekommen. Hab sie sozusagen auf frischer Tat erwischt. Sie kann gar nicht leugnen, selbst wenn sie es wollte.

„Ha!“, hab ich sie angeschrien. „Gib es zu, du nascht ein Gutti!“

„Wa? Nen“, lügt mir Frauli mit dicken Backen mitten in mein hübsches Katzengesicht.

„Was liegt an?“ Nanni flitzt bei der Katzenklappe herein. „Wieso schreist du so?“

„Frauli lügt. Sie nascht.“

„Nein!“ Nanni ist echt entsetzt.

„Ja. Uns verbietet sie es, weil wir angeblich zu dick sind und sie nascht.“

„Tu isch nik“, nuschelt Frauli.

„Mund auf“, fordere ich sie auf.

„Mm“, presst Frauli zwischen zusammengepressten Lippen hervor und schüttelt dabei den Kopf.

„Weil du den Mund voll hast.“

„Ha i ni.“

„Du kannst ja nicht einmal reden, so vollgestopft hast du dich.“

„Nen, ha i ni.“

„Verräterin“, zische ich sie an.

Fraulis Gesicht verzieht sich. Mit zusammengepressten Augen versucht sie, alles was sich in ihrem Mund befindet, auf einmal hinunter zu schlucken.

„Du wirst noch ersticken. Aber ich werde dich nicht wiederbeleben“, ätze ich.

„Mach doch einfach den Mund auf, dann gibt sie Ruhe“, mischt sich die doofe Nuss ein.

„Wieso bist du auf ihrer Seite? Dich betrifft diese gemeine Gutti-Kürzung doch auch.“

„Ich bin nicht auf ihrer Seite. Aber bevor sie hier noch erstickt …“

„Pfff!“

Frauli jagt mit einem lauten „Glllk!“ den Inhalt ihrer Mundhöhle durch die Speiseröhre. Die Augen fallen ihr dabei beinahe aus den Höhlen, Tränen rinnen über ihre Wangen. Kurz macht sie echt den Eindruck hier und jetzt zu ersticken. Mit einem letzten Würgen ist der Spuk vorbei.

„Bitte schön!“, triumphierend reißt sie den Mund weit auf.

„Du hast doch gerade alles runtergeschluckt.“ Ich fass es nicht. Die Frau glaubt wirklich ich bin blöd.

„Wieso muss ich mich eigentlich vor dir rechtfertigen? ICH habe ja kein Gewichtsproblem“, trumpft Frauli auf.

„Noch nicht“, kontere ich. „Wenn du so weiterfutterst bekommst du es bestimmt.

„Bekomme ich nicht.“

„Bekommst du doch.“

„Neihein.“

„Dohoch.“

„Hört auf. Ihr benehmt Euch wie zwei kleine Miezekätzchen.“ Nanni hält sich die Ohren zu.

Frauli stapft zu unserem Futterkastl und reißt es auf. „Hier hast du.“ Sie hält mir ein äußerst wohlriechendes Guttistangerl unter die Nase.

„Nein, danke. Jetzt mag ich keines“, versuche ich Würde zu zeigen

„Ich schon.“ Bevor ich überhaupt mitkriege was passiert, ist das Stangerl aus Fraulis Hand in Nannis Maul verschwunden.

„Aber …“, stottere ich.

„Hier.“ Frauli hält mir noch eines unter die Nase.

Blitzschnell packe ich es und laufe damit davon.

„Sind wir jetzt quitt?“, schreit mir Frauli hinterher.

„Ft.“

„Wie bitte?“

„Ft.“ Ich schlucke runter. „Fast.“


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