• roswithazatlokal

21.09.2020


Liebes Tagebuch,

stell dir vor, Frauli ist heut in aller Herrgottsfrühe aufgestanden und nicht mehr wiedergekommen. Dass sie dauernd aufs Klo muss, bin ich ja schon gewohnt. Aber danach kuschelt sie sich normalerweise wieder zu mir ins Bett. Heute? Denkste!

Weil sie nicht daherkommt, geh ich dann halt einmal nachschauen. Nicht, dass sie unten bewusstlos herumkugelt oder so. Mehr stolpere ich als ich gehe die Stufen hinunter. Da sitzt die fix und fertig angezogen im Wohnzimmer mit Kaffee und Zeitung und grinst mich auch noch breit an. Ich mein, was soll das? Ich warte im Bett und die macht sich einen schönen Tag, oder was?

„Hanni, guten Morgen! Hast du Hunger?“ Frauli steht auf, geht in die Küche. Wenn mein Magen es zulassen würde, bliebe ich ja mitten im Wohnzimmer sitzen. Aber der knurrt ununterbrochen und das Wasser rinnt mir in meinem Mäulchen zusammen sobald ich an Essen denke. Also trabe ich gemächlich hinter ihr her und schau einmal, was sie so zu bieten hat.

Wenn die Nanni nicht zum Frühstück erscheint, holt sie Frauli immer von der Terrasse herein. Nur ist die doofe Nuss heute ja noch unterwegs. Macht sozusagen Halligalli irgendwo. Und versäumt somit das Frühstück. Und wer ist schuld? Genau: Frauli. Wenn die nicht in der finsteren Nacht hier herumturnen, sondern im Bett bleiben würde, dann hätte alles seine Ordnung. Aber so.

Das I-Tüpfelchen bei der Geschichte ist dann, dass Frauli einfach abhaut. Der ist total egal, ob ich mein Frühstück im wachen Zustand oder im Halbschlaf einnehmen muss. Und dass die Nanni noch nicht zurück ist, stört sie auch nicht. So eine egoistische Frau aber auch!

Wie dann die Nanni heimkommt und ich ihr erzähle, was vorgefallen ist, kippt sie fast um. „Was, jetzt soll ich das abgestandene Futter essen? Frauli spinnt.“

Na gut, sie hat es nicht ganz so gesagt. Und der letzte Satz stammt von mir. Aber gemeint hat die Nanni das sicher auch.

Wir beschließen, Frauli einen Denkzettel zu verpassen. Okay, ich beschließe das und überrede die doofe Nuss zum Mittun.

So geht man doch nicht mit seinen Miezekatzen um! Das muss man doch am Vortag besprechen und einen in der Früh daran erinnern. Und fragen, ob das überhaupt machbar ist, ob sich alle Beteiligten wohlfühlen bei dieser Vorgehensweise.

Vielleicht sollte sich Frauli auch einmal diese Sendung mit der Psychologin anhören im Radio. Dann würde ihr nicht andauernd so ein Schmarrn wie heute passieren.

Die Nanni meint, das Ganze wird sicher eine Mordshetz. Warum die dumme Kuh immer alles ins Lächerliche ziehen muss! Man kann doch Frauli nicht einfach alles durchgehen lassen. Oder wie siehst du das, liebes Tagebuch? Na eben.

Also, mein Plan ist, dass wir uns unsichtbar machen. Das wird Frauli eine Lehre sein. Dann sieht sie wie das ist, wenn man plötzlich nicht mehr da ist.

Endlich kommt Frauli heim. Wir erwarten sie nicht an der Haustür, sondern trödeln extra lange im Garten herum bevor wir sie begrüßen. Ha, was meinst du, wie die dämlich drein schaut. Mit so was rechnet die ja nicht. Ein Punkt für uns!


Wie immer lässt sich Frauli vor dem Fernsehen das Badewasser ein. Wir zwei, also sie und ich, lieben das total. Sie liegt in der Wanne, ich tanze am Badewannenrand herum und schmuse mit ihr. Aber dieses Mal eben nicht! Dieses Mal versteck ich mich einfach hinter dem Badetuch. Da sieht sie einmal, wie das ist, wenn man alleine in der Wanne sitzt und keiner ist da. Stell dir vor, die hat mich gar nicht entdeckt. Zweiter Punkt für die Mannschaft Hanni-Nanni!



Nach dem Bad kuschelt sich Frauli auf das Sofa und wartet auf die Nanni. Meine Möchtegern-Schwester hat sich das so eingeführt, diese Kuschelzeit mit Frauli. Pfff! Als ob Frauli das Spaß machen würde! Ha, das macht sie doch nur, damit die dumme Kuh nicht flennt.

Heute bleibt die Nanni aber weg. Kein Kuscheln mit Frauli.

Wir verstecken uns oben im Schlafzimmer. Die Nanni zählt bis zehn und erst dann gehen wir zu Frauli kuscheln. Die soll nur spüren, wie das ist, wenn man nicht geknuddelt wird, so wie man es gewohnt ist. Dritter Punkt und somit Sieg auf der ganzen Linie für uns!

Unter Garantie überlegt sich Frauli beim nächsten Mal, ob sie früher als vereinbart aufsteht und dann auch noch abhaut! Darauf kannst du wetten, liebes Tagebuch.

Wenn man da nicht rechtzeitig gegensteuert bleibt man über. Das hat die Nanny im Fernsehen immer den Eltern von den schlimmen Kindern gesagt. Und die muss es ja wissen, sonst wäre sie ja nicht im Fernsehen.

Kurz habe ich ja überlegt, ob ich Frauli zum Nachdenken in ihr Zimmer schicke. Aber das war mir dann doch für das erste Vergehen etwas zu streng. Oder was meinst du, liebes Tagebuch?

15 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com