• roswithazatlokal

21.01.2021


Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli.


Stell dir vor, ich mache mit meinen Katzen und ihren Freunden Yoga! Verrückt oder?

Die Nanni hat mir gerade gesagt, ich darf jetzt immer mitmachen. Ich freu ich mich wirklich total darüber.


Diese Turnerei so ganz alleine im Lockdown ist ja wirklich trostlos. Trotzdem versuche ich mich fit zu halten, zum Beispiel mit dem Philipp im Fernsehen, der mit ganz Österreich um 09.10 Uhr turnt. Aber, und das ist der Punkt, Bewegung in der Gruppe ist ganz was anderes, das fehlt mir halt schon sehr.


Um sicher zu gehen, dass ich nicht vollends übergeschnappt bin, rufe ich einen mir bekannten Therapeuten an. Meine Hoffnung ist, dass er mich darin bestärkt, mir quasi seine Erlaubnis dafür gibt.


„Guten Tag, Herr Dr. Burger, Zatlokal am Apparat. Haben Sie bitte kurz Zeit?“

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“

„Nun, … na ja …. Also kurz und bündig. Wie Sie ja wissen, kommuniziere ich mit meinen Katzen.“

„Ach, Sie sind das. Ja, ich erinnere mich. Und, wie geht es Ihren Mitbewohnerinnen? Plaudern Sie noch viel miteinander?“

"Ja, schon.“

„Wie ich Ihnen damals schon erklärt habe, das ist ein ganz natürlicher Vorgang. Die meisten Tierbesitzer bauen eine sehr intensive Beziehung mit ihren Haustieren auf.“

„Ja. Äh, Herr Doktor, weswegen ich anrufe … wir machen gemeinsam Yoga, meine Katzen, ihre Freunde und ich.“

„Yoga.“

„Äh, ja.“

„Ahaaaa. Und?“ Er wirkt gar nicht überrascht. So gelassen war er bei unserem letzten Gespräch aber bei Weitem nicht, so weit ich mich erinnere.

„Nun, es war super, wieder in einer Gruppe sportlich aktiv zu sein. Daher habe ich den Wunsch gäußert, jetzt öfter mitmachen zu dürfen.“

„Wem gegenüber?“

„Bitte?“

„Wem gegenüber haben Sie diesen Wunsch geäußert?“

„Meinen Katzen?“ Ich frage es mehr, als ich es erkläre. Es ist so lächerlich, was ich hier mache. Aus welchem Grund sollte er mich heute ernst nehmen?

„Und was haben Ihnen die Katzen geantwortet?“ Er scheint interessiert.

„Sie haben darüber abgestimmt, so viel ich weiß.“

„Abgestimmt?“

„Ja?“ Dieser Kerl verunsichert mich total.

„Wie ist die Abstimmung ausgegangen?“

„Ich darf mitmachen.“

„Fein. Dann haben Sie ja die Erfüllung Ihres Wunsches erreicht! Und wieso rufen Sie mich dann eigentlich an?“

„Nun, die tricksen mich aus.“

„Nein!“

„Doch!“

„Wie äußerst sich dieses Austricksen?“ Ich höre Mißtrauen in seiner Stimme. Jetzt kommt`s, denke ich mir, jetzt zieht er mir gleich eine drüber.

„Die treffen sich jetzt immer dann, wenn ich keine Zeit habe.“

„Na, das ist ja gemein!“, schreit er in den Hörer.

„Ja, nicht wahr?“

„Und woher wissen Ihre Katzen Ihre Termine?“ Seine Stimme hat einen lauernden Unterton.

„Na, die kriegen doch alles mit. Meine Telefonate, meine Emails, ja die lesen sogar in meinem Terminkalender nach.“

„Nein!“ Ist er tatsächlich empört oder verarscht er mich? "Die akzeptieren nicht einmal Ihre Privatsphäre?"

„Wenn ich es Ihnen sage.“

„Da müssen wir schleunigst etwas dagegen unternehmen."

„Herr Doktor, Sie glauben mir doch?“

„Aber selbstverständlich glaube ich Ihnen. Wenn wir nicht aufpassen ergreifen unsere Haustiere die Macht. Das können wir keinesfalls zulassen. Erst gestern habe ich zu meiner Frau gesagt, dass unser Pudel mich die ganze Zeit so komisch anschaut. So als würde er nur darauf warten, dass ich den Löffel abgebe, damit er mit ihr alleine ist. Also, wie sollen wir vorgehen? Was meinen Sie?“

„Am besten, wir beobachten und warten ab. Ich melde mich in den nächsten Tagen wieder. Danke vorerst.“ Rasch lege ich auf. Dieser Dr. Burger ist ja noch durchgeknallter als ich, der sollte echt dringend zu einem Therapeuten gehen!

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