• roswithazatlokal

20.09.2020



Liebes Tagebuch,

heute räumen wir Fraulis Kasten auf. Zumindest glaube ich das. Auf alle Fälle schmeißt Frauli alles, was in ihren Laden ist, aufs Bett. Manches wird wieder eingeräumt, manches verschwindet in einem großen Sack.

Nachdem sie alles so husch-wusch hineinstopft – ich habe fast den Eindruck, ich soll nicht mitbekommen, was darin entsorgt wird – inspiziere ich den Sack lieber etwas genauer. Ich mache mich der Fakten kundig, wie wir in Polizeikreisen so sagen. Nicht, dass Frauli am Ende auch noch Spielzeug von mir heimlich ausmustert!

Also beuge ich mich ganz tief hinein in die Dunkelheit. So tief, dass meine Hinterpfoten regelrecht über dem Fußboden schweben, ich also mehr drinnen als draußen bin. Da drischt irgendwer hinterhältig und feige derart gegen meinen Popsch, dass ich ins Wanken komme. Ich verliere das Gleichgewicht und falle mitten hinein in Fraulis Mistsack. Ein Glück, dass der schon so voll ist, so ist die Landung zumindest eine sanfte.

„Ein Mordanschlag!“, durchzuckt es mich. Mir gruselt. Da will mich doch tatsächlich jemand um die Ecke bringen. Aber wer? Frauli, damit ich sie nicht beim Wegschmeißen von Spielsachen erwische? Die doofe Nuss Nanni, weil sie beide Futterschüsseln für sich alleine haben möchte? Hm, sehr rätselhaft. Sehr interessant. Sehr beängstigend.

„Hanni, was machst du denn da drinnen? Wenn ich da nicht genau schau, landest du womöglich bei der Caritas, du Dummerchen.“ Frauli hebt mich heraus, drückt mich ganz fest an sich. Caritas? Nie gehört davon. Meine Detektivnase sagt mir, dass es sich dabei um einen Umschlagplatz für Altes und nicht mehr Geliebtes handeln muss. Bin ich etwa beides? Ohne es zu wollen, beginne ich zu zittern.

„Ja, was hast du denn, du kleines Schatzi?“ Frauli knutscht mich.


Ach ja, sie hat mich ja rausgefischt! In meiner Aufregung ist mir das gar nicht bewusst geworden. Frauli ist also aus dem Schneider. Oder hat sie es sich nur anders überlegt?

Ansonsten bleibt nur mehr ein Lebewesen hier in diesem Haushalt über, welches meiner überdrüssig sein könnte: Meine Möchtegern-Schwester Nanni!

Ah, da kommt sie ja schon, die falsche Schlange. Tut natürlich so, als wäre nichts gewesen. Na warte! Ich remple sie zur Begrüßung ordentlich an.

„Na, du. Nix ist`s mit zwei Futterschüsseln“, fauche ich sie an.

„Hä?“ Nanni sieht mich aus ihren großen Glubschaugen verdattert an.

„Glaubst du, ich weiß nicht, dass du es warst, die mich in den Sack geschubst hat?“

„Aber ich war doch gar nicht daheim.“

„Blödsinn!“

„Kein Blödsinn!“

„Doch Blödsinn!“ Sie wischt mir eine, dass ich mich um die eigene Achse drehe.

„Mädels!!!“ Frauli baut sich vor uns auf. „Spinnt ihr?“

„Sie hat mich in den Sack geschubst!“

„Hab ich nicht!“

„Hast du doch! Wer sollte es sonst gewesen sein!“

„Äh …“, Frauli räuspert sich. „Vielleicht hab ich … Ich meine, in der Hitze des Gefechts … Es kann sein, dass ich dich übersehen habe und aus Versehen gestoßen habe.“

„WAAASSS?“ Ich kralle mich an Fraulis Bein.

„Aua, spinnst du?“

„Du kannst mich doch nicht einfach zu den alten Sachen schmeißen!“

„Es war doch keine Absicht. Und wenn du nicht ständig herumschnüffeln würdest, …“

„Ach, jetzt bin auch noch ich schuld?“

„Das hab ich doch gar nicht gesagt.“

„Hast du doch.“

Nanni kichert und hüpft vor Begeisterung auf und ab. „Ihr zwei seid zum Schießen, wisst ihr das?“

Verdutzt starren wir sie an. Vergessen beide, was wir eigentlich sagen, besser gesagt, schreien wollten.

„Ach du meine Güte, ich streite mit meiner Katze.“ Frauli sinkt aufs Bett. „So weit ist es also schon.“

„Ja“, murmle ich. „Ich glaube, heute brauche ich den Waschlappen.“

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