• roswithazatlokal

20.07.2020


Liebes Tagebuch,

Frauli schnüffelt in meinen Sachen herum. Ich ertappe sie dabei, wie sie auf dem Fußboden sitzend mein ganzes Spielzeug ausleert. Jedes einzelne Stück untersucht sie gründlichst, indem sie es abtastet und daran schnuppert.


„Bäh, das stinkt!“ Meine Sachen stinken? Also, das ist doch die Höhe. Grantig lege ich mich auf den Kratzbaum, um das Geschehen von oben zu betrachten. „Vielleicht ist das Ganze ja nur ein blöder Streich. Vielleicht soll ich nur glauben, ich verstehe Euch. Verstehst du?“ Frauli sieht mich fragend an, nimmt meinen Flamingo in die Hand. Besorgt beobachte ich, wie sie an ihm herumfummelt, ihn fast zu Tode quetscht. „Da ist sicher irgendwo ein Mikro oder so was eingebaut.“ Als nächstes ist mein Federfisch an der Reihe. Wehe, sie krümmt ihm auch nur eine Feder!


Frauli strubbelt sich durch die Haare. „Ach du meine Güte, ich bin schon total paranoid.“ Sie stopft alle Spielsachen wieder in den Korb. „Aber wenn ich nicht geisteskrank bin und mich niemand vorführt: Was zum Teufel ist es dann? Bin ich plötzlich Frau Doktor Dolittle?“

Nanni sieht mich fragend an, ich zucke mit den Schultern. Woher soll ich wissen, wer Doktor Dolittle ist? Unsere Tierärzte heißen anders, das weiß ich.


„Sagt doch auch einmal etwas? Ihr müsst doch eine Meinung zu dem Ganzen haben.“ Lauernd sieht sie erst mich, dann die Nanni an. „Also?“ Keine Ahnung, was sie jetzt hören will. Dass wir keinen Doktor Dolittle kennen? Einträchtig schweigen wir.


Mir wird das alles irgendwie zu fad und ich knotze mich auf die Couch. Eine Fliege krabbelt über die Lehne und beim Versuch sie zu erwischen, bleibe ich mit einer Kralle im Stoff der Couch hängen. Gerade wie ich sie rausziehen will, bemerke ich, dass diese Körperhaltung total bequem ist. Ich bleibe also in der Position und beginne mich zu putzen.


„Hanniiii! Du ruinierst die Couch!“ Na und? „Hör auf, dich anzukrallen!“ Nein. „Hanni!!!“

„Was!!!“ Ich sehe sie giftig an.

„Meine Couch!“ Frauli schaut noch giftiger zurück.

„Ich tu doch gar nix“, keife ich sie an.

„Tust du doch!“, keift sie zurück.

Feindselig sitzen wir uns gegenüber. Sie am Fußboden, ich auf ihrer heiligen Couch. „Nur weil ich dich verstehe, brauchst du nicht frech zu werden.“ Sie steht auf, stapft in die Küche.


Nanni schaut ihr nach. „Was macht die erst, wenn sie dein Tagebuch findet?“


Plötzlich steht Frauli in der Tür. „Du schreibst Tagebuch?“

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