• roswithazatlokal

19.05.2020


Liebes Tagebuch,


ich habe beschlossen, mich bei Frauli ins Bild zu setzen, einfach unübersehbar zu sein.

Eine Katze der Tat, die ich nun einmal bin, setze ich diese – wie mir scheint mehr als grandiose – Idee sofort um.


Als erstes belagere ich den Laptop. Da bin ich nicht so einfach zu übersehen.

„Hanni, musst du immer auf meinen Sachen sitzen?“ Ja, muss ich. „Hanni, geh bitte runter.“ Nö. „Hanni.“ Ich werde geschubst. Nein! Mit einem „Hach!“ werde ich runtergehoben und daneben auf den Tisch gesetzt.


Ich liege auf dem Tisch und schaue zu, wie Frauli versucht eine Geschichte zu schreiben. Die Betonung liegt bei versucht. Nur Geduld, Hanni, deine Zeit wird kommen. Kaum gedacht, da passiert es auch schon. „Ich glaub, ich brauch einen Kaffee.“ Da ist sie, die nächste Chance. Sofort schmeiss ich mich auf den Schreibtischsessel. Frauli, das Kaffeehäferl in der Hand, steht ein wenig unschlüssig vor mir. „Hannnniii.“ Jaaaa? „Komm, sei nicht lästig.“ Bin ich doch gar nicht. Ich nehm die „Süße-Katze-Position“ ein, lache sie voll lieb an. „Hanni, bitte.“ Jahaaa. Wieder werde ich geschnappt und auf den Tisch gesetzt. Pfff, ist die heute anstrengend.


Oh, was seh ich da? Sie hat ein Paket mitgebracht. Zufrieden leg ich mich oben drauf. Anscheinend bin ich eingenickt, denn mit einem „Hannniiii!!!“ werde ich unsanft geweckt. Jaaaaa!!! „Du liegst auf meinen Scheibenvorhangerln. Und ich würde gern die Schachtel aufmachen, geht das?“ Warum fragst du mich? Woher soll ich wissen, ob du eine Schachtel aufbekommst? „Du musst runtergehen, bitte.“ Nein. „Hanni, es reicht für heut.“ Ok, das heißt, wir schmusen jetzt ein bisserl? Etwas unsanft werde ich von der Schachtel entfernt, lande auf dem Fußboden.


Frauli macht die Schachtel auf, kramt herum, misst nach, pickt Hakerl an die Fensterrahmen. Ich helfe natürlich mit, so gut ich kann. „Hanni!“ Ja, ich weiss, ohne mich bist du verloren. „Ich geb auf. Diese Katze bringt mich noch ins Grab.“ Oh, ist die Nanni auch da? Die hab ich gar nicht gesehen. Ich sehe mich suchend um. „Ich rede mit dir.“ Oh. Die meint mich? Also so macht das alles keinen Spaß. Soll sie ihren Kram doch alleine machen! Verschnupft ziehe ich mich zurück in Nannis Schlafhöhle.

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