• roswithazatlokal

18.10.2020


Liebes Tagebuch,

die Yoga-Stunden mit Dominik sind sehr anstrengend. Und das liegt nicht nur an den Übungen. Immer möchte er das Sagen haben. Weil schließlich ist SEIN Frauli die Erfinderin. Behauptet er zumindest.

"Wie kann dein Frauli das erfunden haben, wenn es doch im Fernsehen gezeigt wird?“, frage ich ihn.


„Äh, weil es eben so ist. Aber lenk nicht ab, mach lieber mit.“

Die Nanni zwinkert mir amüsiert zu. „Wer hat`s erfunden? Die Schweizer natürlich.“ Sie bricht in schallendes Gelächter aus.


„Wie bitte?“ Dominik kapiert rein gar nichts. Er ist bei Weitem nicht so gebildet wie wir. Soweit ich das beurteilen kann, weiß er nicht einmal was eine Werbung ist. Die Nanni meint, er hat dafür andere Qualitäten. Da kann man schon ein bisserl darüber hinwegsehen, dass es bei ihm Oberstüberl nicht ganz so funky zugeht.


Woher die immer diese Ausdrücke hat? Und von welchen Qualitäten spricht sie da wohl? Mir wäre jetzt nix Herausragendes aufgefallen.


Gestern nach den ersten Übungen hätte ich am liebsten gleich alles wieder hingeschmissen. Wobei, der Sonnengruß gefällt mir schon irgendwie. Dieses Verneigen, das hat was. Aber nur, wenn man sich gegenübersteht. Anfangs bin ich hinter dem Dominik gestanden. Da hatte ich jedes Mal seinen Stinkehintern vor meiner Nase. Das war nicht gerade erbaulich, liebes Tagebuch.


Aber warum bitte soll ich einen Baum darstellen? Und einen Hund? Meine Befürchtung war dann ja auch, dass ich vielleicht einen am Baum pinkelnden Hund nachmachen muss. Das ist mir dann aber Gott sei Dank doch erspart geblieben.


Das Dreieck und der Bogen und wie das alles heißt … Irgendwie krieg ich das meiste nicht hin, bin schön langsam am Verzweifeln. Die Nanni meint, das ist normal so. Das braucht Zeit und Übung.


Wie alles anfängt mir weh zu tun, möchte ich doch am liebsten aufhören. Da nimmt der Dominik doch tatsächlich ganz lieb meine Pfote in die seine und tröstet mich. „Weißt du, Hanni, auch wir Profis haben zu Beginn Schmerzen erleiden müssen. Aber es wird besser. Ehrlich. Gib jetzt nicht auf“, sagt er.


Warst du schon einmal in einer Yoga-Stunde, liebes Tagebuch? Dass es besser wird oder weniger weh tut, kann ich zwar nicht behaupten, aber in einer Gruppe zu sein, das hat was. Ehrlich.


Ich sehe, wie Frauli uns durch den Vorhang durch beobachtet. Sicher fragt sie sich, wieso wir mit dem Roten auf der Terrasse herumturnen. „Wir turnen nicht, das ist Yoga“, korrigiert mich mein Hirn.

Und weißt du, was Frauli macht? Die kupfert unsere Übungen ab, macht sie mit uns mit. Irre, oder? Ob ich sie morgen zu uns auf die Terrasse einlade?


Liebes Tagebuch,

ich bin es, Frauli.


Ich habe beschlossen, aus der Not eine Tugend zu machen. Und deswegen nehme ich den nicht ernst gemeinten Rat meines Ex-Therapeuten an und mache bei den Yoga-Übungen mit. Noch getraue ich mich nicht raus auf die Terrasse. Aber morgen frag ich die drei einfach.

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