• roswithazatlokal

18.05.2020


Liebes Tagebuch!

Den ganzen Nachmittag hat Frauli uns alleine gelassen. Die schert sich überhaupt nicht mehr um uns, um die Nanni und mich. Super, oder? Kurz überlege ich, ob ich sie auch links liegen lasse, sollte sie jemals wieder heimkommen. Wie gesagt, kurz. Wie sie dann endlich bei der Tür hereinkommt, freue ich mich so sie zu sehen, dass ich total darauf vergesse. Ich hüpf fröhlich auf sie zu, umschmuse ihre Beine, springe an ihr hoch, gurre und maunze.

Frauli tätschelt mir den Kopf, lächelt und sagt: „Schau einmal, das ist Pauline.“ In ihrer Hand sitzt ein großes rosa Monstrum, grinst mich mit weit aufgerissenem Maul an und bohrt mir seinen dürren rosa Schwanz in die Rippen. „Ist die nicht süß, die Pauline? Die hab ich von Sabine bekommen.“ Warum wundert mich das nicht? Woher sonst hätte sie diese Kreataur haben sollen? Dass meine Menschenschwester andauernd meine Figur bekrittelt hab ich dir ja bereits erzählt, liebes Tagebuch. Dass sie aber jetzt so weit geht und mir eine rosa Pauline vor die Nase setzt, geht doch ein bisserl zu weit.

Was ist das eigentlich für ein Tier? Frauli setzt sie im Vorzimmer aufs Kastl. Ich starre hinauf, Pauline starrt herunter. Wer, bitteschön, rennt freiwillig in rosa herum? Kurzentschlossen spring ich hoch, beseh sie mir aus der Nähe. Das bisserl Fell, welches ihr in bunten Strähnen vorm Bauch runterhängt, macht sie auch nicht gerade schöner. Und erst diese Glupschaugen. Ihre Riesenfüße stecken in Badeschlapfen. Gegen deren Mordshintern ist mein Popo winzigklein. Vorsichtig stupse ich sie mit der Schnauze an. Keine Reaktion. Ich rieche an ihrem Blumenstrauß, den sie in der Hand hält. Bäh, riecht nach gar nix und fühlt sich auch nicht blumig an. Feindselig patsche ich ihr mit der Pfote ins Gesicht. Wieder keine Reaktion. Stellt die sich tot? Ignoriert sie mich etwa? Na warte, du überhebliches Luder, mit mir nicht. Ich nehm meinen ganzen Mut zusammen, spring sie von der Seite an. Pauline kippt um, plumpst auf den Boden. Regungslos bleibt sie liegen, rührt sich keinen Millimeter. Oh Gott, ich habe sie umgebracht! Das bringt mir jetzt sicherlich eine Menge Ärger ein bei Frauli. Panisch hüpf ich hinterher und stupse sie an. Nichts. Ich überwinde mich und lecke ihr übers Gesicht. Bäääh, ist das widerlich! Nichts. Ich spring ihr auf den Bauch. Noch weniger als nichts.

„Ja, Hanni, was machst du denn mit Pauline? Das ist kein Spielzeug für dich, die gehört Frauli.“ Frauli setzt Pauline wieder auf ihren Platz auf dem Kastl. Pauline ist Fraulis Spielzeug?

Na super, da haben wir ein neues Spielzeug gekriegt und ich darf nicht damit spielen. Das ist wieder einmal typisch. Beleidigt verzieh ich mich auf die Terrasse. Frustriert springe ich auf den Unkrautsack, in dem Nanni so gern schläft. Verdattert taucht Nanni daraus mit verschlafenen Augen auf. Ich tu so, als bemerke ich sie gar nicht, stell mich schlafend. Nanni kennt sich überhaupt nicht aus, maunzt fragend. Doofe Nuss aber auch.

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