• roswithazatlokal

17.12.2020


Liebes Tagebuch,

heute hab ich ein ganz komisches Gespräch von Frauli belauscht. Gott sei Dank. Weil, was ich da gehört habe ...


„Du, Nanni, glaubst du mag Frauli einen Hund haben? Die hat doch tatsächlich am Telefon zu Jemanden gesagt, so ein Hündchen wäre auch süß.“


„Da hast du sicherlich was falsch verstanden“, beruhigt mich die Nanni. „Etwas süß finden heißt noch lange nicht, es haben wollen. Außerdem besprechen die Menschen doch immer Dinge, die niemals eintreten. Erinnere dich, wie Frauli davon geredet hat, dass sie Joggen geht. Und geht sie?“

„Nein. Aber nur, weil sie ja schlecht joggen kann mit ihrem Rücken“, verteidige ich Frauli.

„Papperlapapp! Das war lange bevor sie angefangen hat mit Krücken herum zu hatschen.“ Die Nanni schaut mich streng an. „Und wie war das mit dem Walken?“

„Das macht sie doch ab und zu.“

„Ha! Zwei Mal im Jahr, wenn es überhaupt so oft ist.“

„Hm, jetzt wo du es sagst.“ Ich setzte meine Nachdenkmiene auf. (Nachdenkmiene = Augen zusammenkneifen, ernst geradeaus schauen und ab und an etwas murmeln.)

„Was war mit dem Gemüsegarten?“ Die Nanni lässt nicht locker.

„Nun, ein paar Paradeiser sind ja gewachsen.“ Es widerstrebt mir echt, dass die doofe Nuss Frauli hier als Versagerin hinstellt. Wenn das wer macht, dann bin das ich, sonst niemand.

„Höchsten vier Stück, oder? Und weißt du noch, wie wir Karotten angebaut haben? Keine einzige Karotte haben wir gesehen.“

„Das kommt daher, weil Frauli arbeiten geht und sich nicht kümmern kann. Frauli sagt auch immer, sie hat keinen grünen Daumen. Alles, was sie im Garten kultivieren und verhätscheln muss, wird nix. Aber alles, was frei wachsen darf, wuchert dafür in Hülle und Fülle. Sogar die zwei Weinstöcke genießen dieses unbeschwerte Dasein in unserem Garten. Da ernten wir jedes Jahr so viel, die Trauben können wir gar nicht alle essen.“ Mir reicht es schön langsam, dass hier unsere Gartenarbeit schlecht geredet wird. Ja, unsere Gartenarbeit. Immerhin helfe ich Frauli wo ich nur kann. Also ist es in Nannis doofen Kuhaugen auch mein Versagen, wenn was nicht wächst.

„Na gut, lassen wir den Garten“, lenkt die Nanni zu meinem Erstaunen ein.

"Ja, lassen wir das. Frauli wird nie einen Hund haben, das wissen wir beide. Sie hat ja uns.“

„Genau.“

„Pfff, wie kann ich auch nur glauben, dass Frauli einen Hund lieber hat als eine Miezekatze, also mich!“ Ich haue mir mit der Vorderpfote auf den Kopf, so empört bin ich über meine Gedankengänge.

„Genau. Wie kommst du nur immer wieder auf so seltsame Ideen?“ Die Nanni versetzt mir einen Seitenhieb, der sich gewaschen hat. Ich komme ins Schwanken, kippe zur Seite.

„He, spinnst du?“

„Wieso? Ich gebe dir doch nur recht.“ Todernst schaut mich die Braungestreifte an. Verarscht die mich etwa schon die ganze Zeit?

„Wieso?“ Misstrauisch beäuge ich meine Möchtegern-Schwester.

„Aus keinem bestimmten Grund.“ Intensiv kontrolliert sie die Krallen ihrer Vorderpfoten.

„Ha, ich hab´s gewusst! Das machst du immer, wenn du dich mir überlegen fühlst!“

„Was denn?“ Sie unterzieht die Krallen der Hinterpfoten einer Kontrolle.

„Ich hole mit Schwung aus und schlag ihr so fest auf ihren stinkigen Popsch, dass es regelrecht kracht. Eine Duftwolke steigt auf. Nein, keine Duftwolke, eine Stinkewolke.

„Hoppala!“ Nanni kichert. Da hast du aber was losgetreten, im wahrsten Sinne des Wortes."

So eine blöde Kuh aber auch!

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