• roswithazatlokal

17.05.2020


Liebes Tagebuch,

stell dir vor, was mir heute passiert ist. Nein, es ist zu grauenhaft, ich kann gar nicht darüber reden. Es ist sooo furchtbar. Mein Herz rast regelrecht, wenn ich daran zurückdenke. Ich glaube, mir wird schlecht.


Frauli und ich nehnmen ein Bad. Also sie nimmt das Bad, ich schaue, auf der Waschmaschine sitzend, zu. Nach einer Zeit wird mir fad und so klettere ich zu ihr hinunter. Auf dem Badewannenrand balancierend schmuse ich mit Frauli. Gerade wie ich Frauli von dem schönen Schmetterling erzähle, den ich heute im Garten gesehen habe, rutscht mir die linke Pfote weg. Verzweifelt versuche ich die ungewollte Schräglage mit meinem Schwanz auszugleichen. Hin und her wackelnd mache ich quiekend auf mich aufmerksam. Frauli ist aber gerade in diesem mehr als kritischen Moment auf Tauchstation – was aber auch heißt, sie hat mir überhaupt nicht zugehört. Kurz überlege ich, was schlimmer ist: Dass sie meine Geschichten nicht interessieren oder ihr mein Überleben nicht so wichtig ist. Die Erkenntnis, dass beides ziemlich gemein von ihr ist, bringt mich regelrecht ins Schaukeln. Und schon hängt mein Popsch im Wasser. Verzweifelt umklammere ich den Badewannenrand mit den Vorderpfoten, strample mich aus der Wanne hinaus. Frauli, endlich auf mein Dilemma aufmerksam geworden, kichert, nein lacht lautstark drauf los.


Ich düse, so schnell es mein ramponiertes Hinterteil zuläßt, in meine Bettzeuglade. Zitternd verkrieche ich mich in meiner Schmusedecke. Mein Herz wummert, ich schnappe nach Luft. Nicht nur, dass mein Popo klatschnass ist, Frauli hat mich ausgelacht. Tieftraurig beginne ich mich trockenzulecken.

„Hanni, geht’s dir gut?“ Frauli guckt bei der Bettzeuglade herein. „Hast du dir weh getan?“ Sie streichelt mein Köpfchen. „Armes Puppi. Ich muss nochmals in die Wanne. Wenn ich fertig bin, kriegst du ein Leckerli.“ Sie gibt mir ein Bussi.

Ach, mein Frauli. Vorsichtig schleiche ich zurück ins Bad. Aber, und jetzt kommts, ich kann nicht hineingehen. Alles in mir sträubt sich dagegen. So oft ich es auch versuche, es geht einfach nicht. Also lege ich mich davor hin und warte auf Frauli.


Aber weißt du, was das Schlimmste an der ganzen Geschichte ist? Wie ich ins Wohnzimmer runterkomm, fängt die Nanni voll zum Kichern an. Diese blöde Nuß hat das natürlich mitbekommen. Am besten, ich red mit der gar nichts mehr. Nie, nie wieder!

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