• roswithazatlokal

16.12.2020



Liebes Tagebuch,

stell dir vor der Bertl ist wieder da. Und nicht alleine. Der hat doch tatsächlich seinen Kumpel Diego mitgebracht.


„He, Hanni!“, redet er mich an. „Sieh mal, wenn ich heute mitgebracht habe. Diego geht genauso gerne fort wie du.“ Wieso sagt er das? Ich geh doch gar nicht gern raus.


„Servus, Bertl.“ Die Nanni stupst ihn mit der Nase an. So ein falsches Luder. Das macht sie mir zu Fleiß. Sie weiß genau, dass ich den Bertl mag.

Wenn dieser Diego nicht dabei wäre, hätte ich ihn schon längst begrüßt, den Bertl. Aber so. Misstrauisch halte ich einen Sicherheitsabstand ein.


„Kannst ruhig herkommen, Hanni. Der tut nix.“ Bertl kichert. Nanni stimmt ein.

„Verstehst du? Der tut nix. Hihihi!“ Bertl kriegt sich gar nicht mehr ein.

Nein, versteh ich nicht. Diego offenbar auch nicht, so ernst wie der dreinschaut.

„Na, das sagt doch immer der Hundetrainer im Fernsehen, der Martin. Die Leute behaupten das doch immer von ihren Hunden. Dabei tun die dir ins Gesicht schön und schwupps, schnappen sie dir dein Leckerli weg“, belehrt uns Bertl.

„Der sagt im Fernsehen, dass uns die Hunde unsere Leckerli wegfressen?“ Diego kratzt sich am Kopf.

„Nein, du Dummerle. Der tut nix, sagt er.“ Bertl verdreht genervt die Augen.

„Aha.“ Diego kratzt sich nochmals am Kopf. Ich kratze mit. Selbstverständlich auf meinem Kopf. Wir scheinen beide nicht zu wissen, was an diesem Satz so lustig sein soll.

„Hab ich dir nicht gesagt, dass die beiden sich gut verstehen werden?“, fragt die doofe Nuss den Bertl.


„Komm, Hanni. Ich hab den Diego extra überredet mitzukommen, damit er bei einer Meditation mitmacht. Er freut sich schon total darauf. Nicht wahr, Diego?“

„Ja. Nein. Ich weiß nicht so recht.“ Diego scheint es peinlich zu sein, im Mittelpunkt zu stehen.

„Schau nicht so, Hanni. Wenn du nicht in die Welt hinaus gehst, kommt die Welt halt zu dir.“ Nanni tut auf gelehrt und dabei strahlt sie übers ganze Gesicht. So eine blöde Kuh!

„Na, gut. Fangen wir endlich an. Wir müssen nämlich zurück sein, sobald es finster wird hat Frauli gesagt“, quengelt Dominik.

„Echt?“, frage ich.

„Ja, das sagt sie immer. Aber keiner hält sich dran“, erklärt uns Bertl. „Also Herrli und ich zumindest nicht, der Diego schon.“ Er kichert. Diego wirft ihm einen grimmigen Blick zu.

„Gut, fangen wir an“, sage ich schnell, bevor die Nanni das Kommando übernehmen kann. „Verteilt Euch, setzt Euch hin wo ihr wollt.“


Liebes Tagebuch,

ich bin es Frauli.

Gerade wie ich mich vor dem Haus einparke, biegen die Meiers um die Ecke.

„Entschuldigen Sie, aber wir glauben unser Bertl ist bei Ihnen. Und es ist ja schon ganz finster, da sollte er längst zu Hause sein.“ Frau Meier klingt aufgeregt.

„Ach? Na gut, ich hol ihn.“ Hihi, die holen ihre Katze ab, weil es finster ist. Das find ich echt lustig.


„Äh, es ist uns ein wenig peinlich … Aber es könnte sein, dass er in Begleitung eines flauschigen Tigerkaters ist", ergänzt Herr Meier.

„Jaaa?“ Ich beiße mir auf die Unterlippe, damit ich nicht laut loskichere.

„Verzeihen Sie bitte. Wir wissen auch nicht, wie wir das abstellen können. Diese Besuche bei Ihnen meine ich. Und jetzt nimmt der Bertl sogar noch den Diego mit.“

„Ich schau einmal. Wollen Sie mitkommen?“

„Nein, danke.“


Ich betrete die Wohnung. Drinnen lungern meine Mädels gemeinsam mit Bertl und einer Tigerkatze - ich nehme an, es ist Diego - herum. Bertl knabbert an einer Leckerli-Stange.

„Meine Lieben, Ihr werdet abgeholt.“ Ich greife mir Diego. „Komm, draußen warten deine Leute.“

Ich trage ihn hinaus, lege ihn Herrn Meier in die Arme. „Moment, ich bringe gleich den Bertl.“

„Bertl?“ Wo ist der Bursche denn? Ich schaue mich um. „Du Schlingel, na warte. Ha, ich sehe dich!“ Kichernd ziehe ich ihn unter dem Couch-Überwurf hervor und trage ihn hinaus.


„Es ist uns wirklich sehr peinlich“, Frau Meier ist ganz aufgelöst. Sie drückt Bertl fest an sich.

„Aber ich bitte Sie. Das macht doch nichts. Die beiden Miezen stören echt nicht. Sie sind wirklich sehr brav.“ Letzteres ist ein wenig geschwindelt, wenn ich an Bertls Plünderungen in unseren Vorratskästen denke. Aber ich will die Meiers nicht unnötig aufregen. Sie wirken auch so schon mehr als verlegen.

„Danke, das ist sehr freundlich von ihnen. Auf Wiedersehen.“

"Auf Wiedersehen. Tschüss, Bertl! Tschüss, Diego!" Die Meiers drehen sich nochmals um und wir winken uns alle nochmals zum Abschied zu. Sogar Diego hebt schüchtern seine Pfote. Es scheint, ich habe einen neuen Freund.


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