• roswithazatlokal

16.08.2020


Liebes Tagebuch,

wir sind alle am Samstag zu einem Familienfest eingeladen gewesen. Nur mir hat keiner etwas gesagt. Ist das nicht traurig? Heute hab ich es durch Zufall mitbekommen. Frauli hat sich verplappert.


Und dabei hab ich noch mitgeholfen bei den Vorbereitungen! Was bin ich doch für ein gutmütiger Depp! Wie Frauli gesagt hat: „Komm, wir richten jetzt alles her für den Onkel Walter“, hab ich mich sofort ganz stark eingebracht. Ich bin ja sowieso von Natur aus hilfsbereit und fleißig, aber wenn es um die Familie geht, bin ich einfach nicht zu halten. Da opfere ich mich regelrecht auf.


Gemeinsam haben wir alles in einen Korb gepackt. Hat natürlich Scheiße ausgesehen, so wie Frauli das arrangiert hat. Mir ist gar nichts anderes übrig geblieben, als das Ruder in die Hand zu nehmen. Zuerst hab ich alles ganz genau untersucht und beschnuppert, dann habe ich meine Visitenkarte hinterlassen, indem ich mit meinem Schnäuzchen alles fein säuberlich abgeschnuddelt und somit meine Duftmarke hinterlassen habe für den Onkel Walter.


Sogar beim Einpacken hab ich geholfen. Alleine hätte das Frauli das alles ja auch gar nicht geschafft. Und so bin ich endlos lang auf dem Geschenkpapier gesessen und habe es mit meinem Popschi fixiert, damit es nicht verrutscht. Und was hat es mir gebracht? Einen Tixostreifen mitten auf dem Hintern. Weißt du, dass man den gar nicht so einfach wieder runterkriegt? Und weh tut es auch, das Abziehen. Da bleiben eine Menge Haare darauf picken, sage ich dir.


Und dann bin ich schnell einmal kurz aufs Klo. Und genau in diesem Moment ist Frauli abgezischt. Die hat meine Pinkelpause schamlos ausgenutzt, um mich auszutricksen.


Soviel ich weiß, war die Omi auch dabei. Der bin ich bestimmt abgegangen. Die wollte mich sicherlich nachholen. Ich kann mir schon vorstellen, wie Frauli sie daran gehindert hat. Regelrecht gekämpft haben die zwei deswegen sicherlich miteinander. Weil die Omi würde mich nie alleine daheim lassen! Nie, nie, nicht.


Bestimmt hat Frauli dem Onkel Walter irgendeine faule Ausrede aufgetischt, warum ich nicht dabei bin. Weil, der hat mich unter Garantie eingeladen, wo ich doch zur Familie gehöre. Was Frauli wohl damit bezweckt, wenn sie mich dauernd ignoriert und ausschließt? Ob sie Angst hat, ich könnte beliebter sein als sie?


Ich mein, ob ich jetzt auch noch im Auto sitz oder nicht, kann ihr doch im Prinzip egal sein. Ich hätte mich auf Omis Schoß gesetzt und wir wären losgebraust.


Die doofe Nuss, die Nanni, sagt ja, dass es nicht üblich ist, die Katze mitzunehmen zu Familienfeiern. Woher will die das wissen? Dass die niemand einlädt, wundert mich nicht.


Und was ist dann mit den Feiern bei uns daheim? Da bin ich doch auch dabei. Da muss ich ja auch nicht extra fortgehen deswegen. Ha, da hat sie aber blöd geschaut die Nanni, wie ich ihr das gesagt hab. Und keine Antwort hat sie darauf gewusst, die dumme Kuh. Sie hat sich nur auf die Stirn getippt und gemurmelt: „Jetzt weiß ich endlich, was die Menschen meinen, wenn sie von Migräne sprechen.“ Und dann ist sie abgezischt, die dumme Kuh.

13 Ansichten

©2019 by Roswitha Zatlokal, Schriftstellerin. Proudly created with Wix.com