• roswithazatlokal

16.07.2020

Aktualisiert: Juli 18


Liebes Tagebuch!

Stell dir vor, ich hab sie heute doch tatsächlich in flagranti erwischt, die beiden falschen Schlangen!


Nichts Böses ahnend, lass ich Frauli ausnahmsweise einmal ein bisserl selbständig herumfuhrwerken. Ich mein, es kann ja nicht sein, dass ich andauernd auf sie aufpassen muss. Ständig schauen muss, ob ihr eh nicht fad ist. Und ob sie den Dosenöffner findet oder so Sachen halt. Irgendwann sollte sie doch auch lernen, alleine zurecht zu kommen. Und so überlasse ich sie mit gemischten Gefühlen ihrem Schicksal. Ihr wird schon nichts passieren, beruhige ich mich selber.


Ich beschließe, mir ausnahmsweise einmal selber Gutes zu tun und entscheide mich für einen Wellness-Nachmittag. Fröhlich stürze ich mich kopfüber in meine Spielzeugkiste und krame aufgeregt darin herum. Wohlriechende Düfte, schmuseweiche Püppchen, lustige Bälle … herrlich, sage ich dir. Mein blauer Federfisch schmust einträchtig mit meinem Flamingo, mein Langohrhund wedelt vor Aufregung mit dem Schwanz, die Bälle hüpfen lustig auf und ab. Ich sollte das viel öfter machen. Einfach mehr für mich tun, mich nicht immer nur für andere aufopfern. Glückselig schlafe ich ein.


Zufrieden und gut erholt wache ich nach meinem Nickerchen auf. Frauli ist nicht da. Von der doofen Nanni ebenfalls keine Spur. Erstere könnte Leckerlis aus dem Supermarkt holen, die Nanni ist wahrscheinlich auf der Jagd. Ich schlendere durch die Wohnung, inspiziere meinen Futternapf, wandere weiter zum Katzenklo (ich gehe nicht gerne raus, wenn ich alleine bin, auch nicht aufs Klo) und komme schließlich im Büro an. Und was sehe ich?


Frauli und Nanni! Nanni sitzt auf Fraulis Schoß. Beide mit grinsendem, nein das ist der falsche Ausdruck, mit dämlichem Gesichtsausdruck. Wie mich die Nanni sieht, erschrickt sie derart, dass sie fast von Frauli runterfällt. Ha, denk ich mir, damit hast du wohl nicht gerechnet, du falsches Luder.


„Ja, Hanni-Puppi, bist du endlich ausgeschlafen?“ Oh, oh, sie glaubt, sie kann mich täuschen. Aber nicht mit mir. Darauf falle ich nicht herein. Während ich schlafe, tauschen die beiden heimlich Schmuse-Einheiten, und wer weiß was sonst noch alles, aus. Natürlich! Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Die haben mir etwas ins Futter gemischt, damit ich einschlafe! Damit sie ungestört ihrem Techtelmechtel nachgehen können.


„Es ist so schwül, gell? Das macht total müde. Komm her, ich hab Leckerlis besorgt. Du kommst gerade rechtzeitig.“ Ich hab es doch gewusst! Die verteilt hinter meinem Rücken Guttis. Schon länger habe ich sie in Verdacht, dass so etwas läuft. Aber, dass es so arg ist … Dass sie so tief sinken kann ….


Nein, nein. Ich habe auch meinen Stolz. Nichts werde ich annehmen, rein gar nichts. Sollen die doch ihre Leckerli alleine essen. Wenn ich nicht zufällig munter geworden wäre – nicht auszudenken. Die hätten alles alleine gefuttert Hinter meinem Rücken. Mich ausgeschlossen. Die dumme Hanni pennt ja. Ha!


„Schau einmal, ich hab dir extra etwas auf die Seite gelegt.“ Frauli grinst mich an. Oh, echt jetzt? Moi, das ist aber lieb. „Komm her, du kleine Maus.“ Sie strubbelt mir durchs Fell. Mein Frauli *seufz*.

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